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Als Einleitung zu einem Fortgeschrittenen-Seminar für klinische Anwendung der Traumdeutung haben wir uns die anregende Aufgabe gestellt, noch einmal auf den „ersten Traum, der je einer erschöpfenden Analyse unterzogen wurde“, zurückzukommen. Das ist natürlich Freuds Traum von seiner Patientin Irma (6). Zwar hat Freud keineswegs eine volle Darstellung seiner Analyse veröffentlicht, aber er hat diesen Traum seinen Schülern als das erste Traummuster vorgelegt. Aus diesem Grunde (sowie aus anderen Gründen, die man vor der Veröffentlichung der Briefe Freuds an Fliess (9) nur ahnen konnte) gilt der „Irma-Traum“ allgemein als ein historisches Dokument. Es dürfte also aufschlußreich sein, gerade diesen Traum noch einmal unter den Aspekten durchzuarbeiten, die wir heute, nach einem halben Jahrhundert, zu den wesentlichen einer eingehenden Traumanalyse rechnen würden.
Wenn wir uns die Traumanalysen vergegenwärtigen, die heute in unserer täglichen Praxis und in unseren Seminaren und Kursen vorgenommen werden, so muß uns auffallen, daß die Kunst und das Ritual einer „erschöpfenden“ Traumanalyse so gut wie aufgegeben sind. Unsere fortgeschrittene psychoanalytische Technik mit ihrer therapeutischen Zielsetzung und der Konzentration auf die immerfort wechselnden Übertragungs- und Widerstandsphänomene läßt uns nur noch selten, vielleicht zu selten, genügend Zeit für die intellektuelle Partnerschaft, die gemeinschaftliche Wißbegier von Analytiker und Patient, die es brauchte, um einen längeren Traum ernst zu nehmen und ihn mit vereinten Kräften in einigen Stunden zu analysieren. Wir wissen nur zu gut, wie bald unsere Patienten unser Interesse an Träumen