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Im apokryphen Buch der „Weisheit Salomos“ findet sich eine packende Schilderung der Finsternis, die Gott über die Ägypter verhängte, die sein Volk unterdrückten und auf seinen ihm vorbestimmten Weg nicht ziehen lassen wollten. Diese Finsternis ist die neunte und vorletzte „Plage“, der als letzte die Tötung der Erstgeburt folgt. Nicht als ein sinnlich physikalisches Dunkel allein ist diese Finsternis aufgefaßt und beschrieben, vielmehr trägt sie alle Kennzeichen der furchtbaren Tiefe einer seelischen Depression, in die die Unterdrücker gestürzt wurden, einer den ganzen Menschen mit Leib und Seele, mit Sinnen und Denken erfassenden seinsmäßigen Verstimmung schwerster Art. Aus ihrer gewohnten Welt fielen sie gleichsam senkrecht in Unwohnliches hinunter, in einen Raum des Grauens. Ihre gewohnte Welt, die doch für die anderen Menschen dieselbe blieb, verwandelte sich für sie in einen höllenhaften Ort durch den plötzlichen Entzug aller ihrer lichten, freudigen, trostvollen und tragenden Qualitäten. Sie mußten erfahren, wie es ist, in einer Welt zu sein, in der es kein „Licht“ gibt, keine Zuverlässigkeit, keine Schönheit, keine Hoffnung, kein Spiel. Für die Zeit von drei Tagen wurde die Möglichkeit des Menschen, seine Welt als eine lichtvolle zu erfahren, in ihnen ausgelöscht. Die Aggression der Natur ist alsbald entfesselt, wie die „Weisheit“ drastisch ausführt, die wilden Tiere fahren los, die Schlangen zischen so, daß die Menschen kaum atmen, kaum aufblicken können, schreckliche Gespenster treiben die einen um, die anderen fallen einfach zu Boden „und verzagen am Leben“. Mit den bildhaften Mitteln des antiken orientalischen Denkens wird in klassischer Weise eine menschliche Verfassung dargestellt, von der die unbewußten Produktionen des Depressiven zeugen, wenn er auch selbst in langwährender Sprachlosigkeit über seinem Grauen verstummt ist.
„Denn da sie meinten, das heilige Volk zu unterdrücken, wurden sie, als die Ungerechten, der Finsternis Gebundene und der langen Na