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Die von Freud vor 40 Jahren aufgestellte Forderung, daß die psychoanalytische Kur „in der Abstinenz durchgeführt werden muß“1, hat trotz ihrer eingehenden Kommentierung durch ihn zu vielfachen Mißdeutungen geführt. Und zwar nicht nur in außeranalytischen Kreisen, weil diese Forderung in einem unverständlichen Widerspruch stand zu dem behaupteten Pansexualismus der Psychoanalyse mit ihrer angeblichen Befürwortung des sexuellen Auslebens als Therapie der Neurosen, sondern auch innerhalb der eigentlichen Psychoanalyse. Es lohnt deshalb, heute noch einmal ausdrücklich hervorzuheben, daß diese Abstinenzforderung gar nicht, wie meist stillschweigend vorausgesetzt, sich in erster Linie auf den Patienten bezog, sondern vor allem das zweckmäßige Verhalten des Analytikers in seiner Einstellung zum Patienten zum Ziele hatte. Unser Beitrag beabsichtigt, diese von Freud damals schon vorgenommene Akzentsetzung durch weitere aus der „Behandlungstechnik“ sich ergebenden Folgerungen zu unterstreichen.
Gewiß soll nicht übersehen werden, daß die Abstinenzforderung auch für den Patienten unerläßlich ist. Wieder muß zunächst ein weiteres Mißverständnis weggeräumt werden, als ob nämlich die Abstinenzforderung sich ausschließlich oder in erster Linie auf die sexuelle Abstinenz bezöge. Gemeint ist etwas viel Umfassenderes. Wir wissen, welch schlechte Prognose die psychoanalytische Kur beispielsweise bei einem Homosexuellen hat, der lediglich auf Drängen seiner Angehörigen oder aus Angst vor strafrechtlichen Folgen uns aufsucht. Er soll eine Art der Sexualbetätigung, unter der er nicht nur nicht leidet, sondern die ihm Befriedigung verschafft, aufgeben zugunsten einer von der Gesellschaft als normal bezeichneten, die ihn aber nicht interessiert. Mit anderen Worten: Ihn treibt weniger innere Not, nicht eigenes Leiden zum Analytiker, sondern äußere Rücksichtnahme. Ein ähnliches Problem können wir auch bei den Patienten mit hysterischer Symptomatik antreffen, denen es gelang, aus ihrer Neurose