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Wer nach dem letzten Krieg als Arzt in einem Interniertenlazarett tätig war, hatte Gelegenheit zur Sammlung von Beobachtungen und Erfahrungen, die zu den von Vischer in Gefangenenlagern1 gemachten in Parallele gesetzt werden können. Für die meisten der dort Versammelten bedeutete der äußere Zusammenbruch den eigenen inneren, dem auf die verschiedenste Weise und mit den verschiedensten Reaktionen und Krankheiten begegnet wurde. Aus der Fülle der Beobachtungen sei ein besonders drastischer Fall herausgegriffen und besprochen, da er gleichzeitig die ganze Skala möglicher medizinischer und pathologischer Betrachtungsweisen, von organischen und psychologischen über psychosomatische zu personalen und sogenannten anthropologischen, geradezu herausfordert.
Es handelt sich um einen knapp 25jährigen Mann von mittlerer Konstitution und unauffälligem Äußeren, der Ende 1945 bis Anfang 1946 zur Lazarettaufnahme und damit zur Beobachtung und Behandlung kam. Zur Vorgeschichte war aus den Krankenpapieren und den eigenen Angaben folgendes in Erfahrung zu bringen. In der Familie sind keine chronischen, Geistes- oder Erb-Krankheiten bekannt. Der Vater sei ein äußerst gesunder, vitaler, keinen Widerspruch duldender Herrschertyp, vor dem sich alles ducke. Die Mutter sei ebenfalls gesund, aber doch etwas nervös und ängstlich, wahrscheinlich vor allem auf Grund der Wesensart ihres Mannes. Der Patient selbst wurde schon als ganz kleines Kind der Großmutter väterlicherseits, die äußerst genau, kleinlich, pedantisch, streng und überdies noch blind war, zur Erziehung übergeben. Er wuchs dort allein und ohne Kontakt zu anderen Kindern heran. Es war wohl die Ansicht des Vaters, daß der Sohn durch die gleiche erzieherische Hand zu denselben Erfolgen und der gleichen Tüchtigkeit im Leben gebracht werden müsse wie er selbst.
Erst mit 14 Jahren kehrte er ins Elternhaus zurück. Rückblickend meint er, daß er unter der einengenden Erziehung viel