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Es ist ein reizvolles Unternehmen, die Einzigartigkeit eines Menschen aus seiner Handschrift zu erkennen. Die Darstellungskraft der Künstler ist eine solche Singularität, die aufzuspüren und darzustellen nicht einfach ist. Es bedarf dazu einer umfangreichen graphologischen Erfahrung auch mit den Schriften durchschnittlich Begabter und ebenso der Vorstellungs- und Urteilskraft über das Wesen des Künstlerischen. Es gibt einige Versuche über dieses Thema. August Henze, der erste deutsche Graphologe, schrieb über den Zusammenhang von Handschrift und dichterischer Begabung schon 1855 mit 305 faksimilierten Beispielen. Er urteilt mit Scharfsinn und Intuition, ohne daß er sagt, wie die Prägnanz seiner Beobachtungen zustande kommt. Außer zahlreichen kleineren Aufsätzen über einzelne Künstler, Schriftsteller oder Politiker gibt es noch einige größere Werke: Ungern-Sternberg über Nietzsche im Spiegelbild seiner Schrift, Vauzanges über die Musiker und ihre Schriften und Rose-Mannheim über die Schrift van Goghs. Schließlich gehört hierhin das hervorragende Buch von Gustav Magnat: „Die Sprache der Handschrift“, in dem Schriften von Dichtern, Malern, Musikern, Bildhauern, Architekten, Politikern und Heiligen mit ihrer Lebensform verglichen werden.
Alle diese Werke, von denen Robert Ammann nur Rose-Mannheim anführt, tasten sich nur vorsichtig an das Problem des künstlerischen Ausdrucks in der Handschrift heran. Ammann stellt sich eine grundsätzliche Aufgabe: Er sucht nicht nur den Ausdruck des Künstlerischen in der Handschrift, er will auch das Wesen des Künstlerischen durch die Handschriften der Künstler klarer machen. Dem Text gibt er in 88 Tafeln Handschriften, Zeichnungen und Notenschriften bei. Die Reproduktion der Schriften ist vorzüglich: unter der Lupe wird die Strich-Struktur erkennbar. Leider fehlen Schriftbeispiele der Dichter,