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„Die früher üblich gewesene Trennung zwischen Tierpsychologie und Menschenpsychologie wird immer hinfälliger; dafür ist heute mehr und mehr die Rede von Vergleichender Psychologie oder Vergleichender Verhaltensforschung, welche Disziplin sich mit dem Verhalten der Tiere sowohl wie mit dem
der Menschen beschäftigt. Im Zoo drängt sich die Aufhebung der künstlichen, veralteten Grenze besonders auf; denn zu weitgehend sind manche Entsprechungen im Verhalten jenseits und diesseits der Gitter.“ Mit diesen Worten leitet H. Hediger, der Direktor des Zürcher Zoologischen Gartens, das erste Kapitel seines neuen Buches ein, das eine Fülle von erstaunlichen Parallelen zwischen tierlichem und menschlichem Verhalten aufzeigt. Seine „Skizzen“ gestalten sich daher nicht nur für den Tierfreund, sondern auch für den Humanpsychologen zu einer spannenden und anregenden Lektüre. Sie zeigen, wie fruchtbar eine möglichst umfassende Kenntnis der psychischen Leistungen einfacher Wesen zum Verständnis des kompliziertesten aller Geschöpfe, des Menschen, sein kann. Im Gegensatz zur streng objektiven, sachlich-beschreibenden Verhaltensforschung vertritt Hediger jene gemäßigtere Richtung der Tierpsychologie, die er als „Verhaltensforschung plus einfühlendes Verstehen“ charakterisiert. Der Gefahren um ein „Verstehen“ des Tieres, insbesondere unserer Neigung zur Vermenschlichung und Verallgemeinerung, ist sich der Verfasser selbstverständlich bewußt.
Vielleicht eine der urtümlichsten Gemeinsamkeiten von Tier und Mensch liegt in der Ähnlichkeit der Gestaltung ihres Lebensraumes. Wie der Mensch verfügt in der Regel auch das Tier über besondere Eß- und Trinkstellen, Bade- und Schlafstellen in seiner Wohnung, ferner über Vorratsstellen und Klosette, Sonnenterrassen, Kinderstuben usw. Diese verschiedenen Fixpunkte des tierlichen Territoriums sind durch „Straßen“, die sogenannten Wechsel, verbunden, auf denen sich das Wildtier gemäß einem oft minutengenau eingehaltenen Fahrplan bewegt. Im Gegensatz zum