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Als Hermann Broch nach dem letzten Krieg den „Tod des Vergil“ veröffentlichte, rückte er mit einem Schlage in die Reihe der dichterischen Autoren höheren Ruhmes ein, nachdem er bislang, zu Anfang der Dreißigerjahre, insbesondere auf Grund seiner Roman-Trilogie „Die Schlafwandler“, kaum über einen Zirkel erlesener Kenner hinaus bekannt gewesen war, die in ihm, was das Künstlerische anbelangte, fast nichts als einen eigenwillig begabten Schüler James Joyce' erblicken mußten. Seines Zeichens Industrieller, fand der Österreicher Broch nach der Okkupation keine Gnade vor den Augen der Eindringlinge, und nur den verdienstlichen Bemühungen ausländischer Freunde, darunter James Joyce selbst, gelang es zuletzt, ihn aus den Gestapogefängnissen freizubekommen, so daß er das ungastlich gewordene Heimatland mit einem Exil-Aufenthalt im Westen vertauschen konnte.
Man hatte in ihm nicht zu Unrecht einen dezidierten Gegner vermutet. „Die Schlafwandler“ waren bereits dem Thema der politischen Wandlungen Mitteleuropas sorgenvoll zugewandt; kurz vor der Verhaftung noch hatte sich Broch überdies, indem er sich in die Berge Tirols und der Steiermark zurückzog, als Roman-Epiker einem Thema gewidmet, das er am Modell der reichsdeutschen Machthaber und ihrer Apostel in Österreich studieren konnte: dem Aufkeimen eines politisch wirksamen Massenwahns. Den geschichtlichen Wirren entkamen die Manuskriptblätter verschiedener Fassungen, ihnen ist aber auch zuzuschreiben, daß die Publikation liegenblieb. Über der Arbeit an der dritten Fassung starb der Autor; was jetzt als Nachlaß vorliegt, stellt eine meist wohlgelungene Kompilation der Stücke durch den (kürzlich ebenfalls verstorbenen) Herausgeber Felix Stößinger dar.
Weit entfernt davon, eine bloß politische Reportage oder gar ein Schlüsselroman zu sein (obschon die Hauptfigur des „Verführers“ gelegentlich an jenes andere Schnurrbartgesicht denken läßt, ebenso dessen Helfershelfer wohl nicht zufällig Zwergengestalt erhalten hat), faßt Broch das