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Bénassy versucht in dieser Arbeit die Trieblehre Freuds mit der modernen Biologie, speziell der objektiven Verhaltensforschung (der vergleichenden Erforschung angeborenen Verhaltens) zu konfrontieren. Er bespricht im ersten Kapitel eine dieser Absicht entsprechende Auswahl der Ergebnisse der Verhaltensforschung am Tier. Dieser Teil seiner Ausführungen lehnt sich eng an die Instinktlehre Tinbergens an, welcher der Neurophysiologie nahesteht und Psychologie im engeren Sinne, als die Wissenschaft vom Subjektiven, als eine unabhängige, selbständige Disziplin auffaßt. (Vgl. hierzu die Rezension Hedigers über Tinbergens Instinktlehre, Psyche VII, Heft 8, Nov. 1953). In drei weiteren Kapiteln folgt eine kritische Darstellung der Trieblehre Freuds, wie sie sich im Laufe seiner rund fünfzigjährigen klinischen Erfahrung entwickelt und gewandelt hat. Inbesondere wird geprüft, wieweit sich eine neurophysiologische Instinktlehre (vor allem des Tinbergenschen und Lorenzschen Kreises) mit der Triebtheorie Freuds vereinbaren läßt. Gleichzeitig diskutiert der Autor die ihm an der Freudschen Triebtheorie notwendig erscheinenden Änderungen. Und schließlich beleuchtet Bénassy im letzten Teil seiner Arbeit an Hand einiger Beispiele die Bedeutung seiner Ergebnisse für die Analysentechnik.
Der Versuch, die Resultate der modernen Tierpsychologie der Psychoanalyse nutzbar zu machen, verdient zweifellos Anerkennung, und wir sind daher Bénassy für die umfassende und anregende Arbeit zu Dank verpflichtet. Seine spezielle Problemstellung hingegen, welche von der Psychoanalyse die Triebtheorien in den Mittelpunkt rückt, um sie mit der Instinktlehre Tinbergens zu vergleichen, kann kaum als sehr glücklich bezeichnet werden. Denn einerseits vermag die objektive Verhaltensforschung relativ wenig über die Triebe selbst, d. h. über Natur und Ursprung der Impulsströme, die den einzelnen motorischen Mechanismen zufließen, auszusagen, andererseits ist die Triebtheorie Freuds fraglos eines der spekulativst