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Fragt man sich nach dem Wesen des Erstaunens, von dem alles wissenschaftliche Forschen seinen Ausgang nimmt, so dürfte man bald zu dem Phänomen gelangen, daß sich zwischen den Gegenständen unserer Erfahrung — unbeschadet ihrer mannigfaltigen Verschiedenheit — Ähnlichkeitsrelationen wahrnehmen lassen. Das Sachverhältnis der Ähnlichkeit steht am Beginn eines jeden Ordnungsversuches; auf ihm basieren auch die meisten unserer induktiven Schlußfolgerungen. Im Zuge der Ausgestaltung des Systems einer empirischen Wissenschaft scheint sich allerdings Hand in Hand mit der Einbuße an konkreter Anschaulichkeit auch ein Verzicht auf die Kategorie der Ähnlichkeit einzustellen. Die metrische Gleichheits-Operation (z. B.: E = m. c.2, oder: p. v. = R. T) setzt sich mehr oder minder bewußt über die anschauliche Ähnlichkeitsrelation hinweg, so daß man wohl im Bereich einer hochentwickelten Wissenschaft von einer Verkümmerung des Sinnes für Ähnlichkeiten sprechen kann1. Es bleibe dahingestellt, ob und inwieweit sich dieser Prozeß zum Schaden einzelner Disziplinen auswirkt; im Fall der Psychologie glaube ich jedenfalls annehmen zu dürfen, daß das Aufspüren von Ähnlichkeiten noch lange nicht seinen Wert verloren hat. Man denke etwa an den Therapeuten, dem die verbissene Grimasse des Patienten den Schlüssel zu dessen Lebenskonflikt gibt. Sehr oft hat der Diagnostiker sich Anmutungen der folgenden Art einzugestehen: „das sieht ja so aus als ob …“; damit drängt sich ihm aber eine Ähnlichkeitsrelation auf. Oder man denke an den Arzt und Eheberater, der sich darauf einstellt, das Ausmaß der physiognomischen Ähnlichkeit zwischen Ehepartnern abzuschätzen, weil dieses ihm zum Anzeichen von Harmonie und Spannung innerhalb der Bindung wird (22)2. Oder man denke an Welleks Vorschlag (46), die diagnostischen Fähigkeiten angehender Diplompsychologen daran zu messen, wie gut diese Porträtphotographien und Handschriften einander zuordnen können. Offenbar geht es auch hier um sehr sublime Ähnlichkeitse