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Die Erziehungsberatung hat seit 1945 eine zunehmende Anerkennung ihrer sozialen, pädagogischen und prophylaktisch-medizinischen Bedeutung erfahren. Der Anlaß hierfür ist in zwei Gegebenheiten zu suchen. Zum ersten in der aktuellen Krisensituation der Heranwachsenden in den Katastrophenjahren der Nachkriegszeit, exemplarisch dokumentiert in der Statistik der Jugendkriminalität und Jugendverwahrlosung. Die helfende Praxis und die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten, daß grobschlächtige traumatische Umwelteinwirkungen — wie z. B. Kriegs- oder Fluchterlebnisse — in jenem Maße ätiologisch bedeutsam waren, wie sie durch das Erlebnisfilter der Familie, des Nestes, letztlich aller erwachsenen Beziehungspersonen auf das Kind eindringen konnten. So entstand ein drängendes Bedürfnis nach Institutionen, welche auf Grund der besonderen Kenntnisse ihrer Mitarbeiter über die psycho-physische Entwicklung des Kindes und seiner Erlebnisstruktur helfen und raten und heilen können. Der andere Impuls kam aus der wiedergewonnenen Begegnung mit der übrigen Welt, hier im besonderen mit den mannigfaltigen Bemühungen im weiten Felde der „seelischen Hygiene“ (Mental Hygiene). Von Amerikanern und Engländern wurde uns als eine Grundfunktion der seelischen Gesundheitspflege die „Child Guidance“ — Arbeit vorgestellt und einige „Modell“-Child-Guidance Clinics in Deutschland etabliert. Die „Child Guidance Clinic“ als angelsächsischer Typus der Erziehungsberatung konnte zwar ob unserer anderen soziologischen und kulturellen Gegebenheiten nicht modellgetreu übernommen werden. Ihre Grundprinzipien sind jedoch, wie wir noch erläutern werden, zum integrierenden Bestandteil unserer Erziehungsberatungsarbeit geworden. Auch würden, ohne die moralische und materielle Starthilfe von amerikanischer und englischer Seite, eine Reihe von E. B.-Stellen zumindest nicht in der heutigen Form und Größe bestehen.
Die Zahl der Erziehungsberatungseinrichtungen in der Bundesrepublik ohne Westberlin läßt sich nur ann