You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Psychoanalyse ist kein System, wie die philosophischen, das von einigen scharf definierten Grundbegriffen ausgeht, mit diesen das Weltall zu erfassen sucht, und dann, einmal fertig gemacht, keinen Raum mehr hat für neue Funde und bessere Einsichten. Sie haftet vielmehr an den Tatsachen ihres Arbeitsgebietes, sucht die nächsten Probleme der Beobachtung zu lösen, tastet sich an der Erfahrung weiter, ist immer unfertig, immer bereit, ihre Lehren zurechtzurücken und abzuändern. Sie verträgt es so gut wie die Physik oder die Chemie, daß ihre obersten Begriffe unklar, ihre Voraussetzungen vorläufig sind, und erwartet eine schärfere Bestimmung derselben von zukünftiger Arbeit.
Die Voraussetzungen, einem Kind mit den Mitteln der Psychotherapie begegnen zu können, schuf Anna Freud (1) mit ihren 1926 erschienenen Vorträgen über Kinderanalyse. Im Laufe der Jahrzehnte erwies es sich, wie notwendig die psychotherapeutische Hilfe wurde und wie segensreich sich die Pionierarbeit Anna Freuds auswirkte. Inzwischen sind viele Publikationen erschienen, teils den Spuren Anna Freuds folgend, teils neue Wege suchend. Vielfach wurde ein Vorgehen beschrieben, das sich als „Spieltherapie“ bezeichnet. Das Hauptgewicht wird auf das Spiel mit dem Kind gelegt, wobei grundsätzlich gleichgültig bleibt, welche Spiele gewählt werden. Doch entstanden gewissermaßen zwei Lager. Die einen empfehlen „Passivität“, sie überlassen die Führung weitgehend dem Kind (2); die anderen treten nicht nur für aktives Mitgehen im Spiel ein, sondern befürworten Anregung, Vorspielen und vor allem Mitagieren (3). Obwohl hier verschiedene Tendenzen und Ansichten zum Ausdruck kommen, scheinen sich viele Analytiker darin einig, daß die verbale Deutung unbewußter Inhalte beim Kind unterlassen werden soll. Wir denken besonders an die Darstellungen von Hans Zulliger und erinnern an eine Arbeit von G. Bally (4), der im Jahre 1936 eine Kinderbehandlung beschrieb, in der das Deuten bewußt vermi