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Wir haben uns daran gewöhnt, die Begriffe „Ich-Ideal“ und „Über-Ich“ zu benutzen, als ob sie auswechselbar wären. Ich hoffe, durch das hier folgende klinische Material klarzustellen, daß sie als zwei verschiedene Strukturen angesehen werden müssen. Mir schiene es klinisch vorteilhafter, wenn wir zu der früheren Definition des „Ich-Ideals“ zurückkehren und es verwenden würden, um die positiven und gütigen Aspekte der elterlichen Imagines darzustellen, während der Begriff des „Über-Ich“ sich mit den verbietenden und angsterweckenden decken würde.
Mein Interesse an den Geständnissen der russischen Prozesse wurde vor mehr als zwei Jahren geweckt, nachdem ich mit einer Serie von acht Kindern diagnostisch und therapeutisch gearbeitet hatte. Alle Kinder hatten eine Art Schul-Phobie. Nachdem ich den dritten Fall gesehen hatte, wurde es mir klar, daß das anscheinend grob hysterische Verhalten dieser Kinder, das in den dramatischen Androhungen und Bitten, doch zu Hause bleiben zu dürfen etc., zum Ausdruck kam, eher als Ausdruck eines nervösen Zusammenbruches anzusehen war. Ihre Flucht aus der Schule und ihr wütender Protest dagegen, das Elternhaus zu verlassen, der manchmal durch psychosomatische Klagen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Koliken durchsichtig entschuldigt wurde, erweckte bei den Behörden den Eindruck, daß es sich um Schulschwänzer handelte. Alle diese Kinder hingen in einem solchen Maße an ihren Eltern und ängstigten sich vor der äußeren Welt so sehr, daß sie besonders infantil und verwöhnt schienen. Es war darum eine Überraschung festzustellen, daß die den ersten drei Fällen gemeinsamen Charakteristiken, die zuerst den Eindruck zufälliger Übereinstimmung erweckt hatten, eine pathognomische Konstante in allen Fällen blieben. Dieses gemeinsame Charakteristikum war das Vorhandensein von zumindest einem paranoisch gestörten Elternteil, der psychisch einen beherrschenden Einfluß auf den anderen Elternteil und das in Frage stehende Kind ausübte. Das phobische Verhalte