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Die vorliegende Studie des jungen verheißungsvollen Autors gehört einer Kategorie von Dokumenten an, die im Schrifttum der Gegenwart leider nur äußerst spärlich vertreten ist. Charakteristisch für Sinn und Stil solcher Erzeugnisse ist, daß die Untersuchung des Falles im Zug der unvermeidlichen anamnestischen, psychopathologischen und psychotherapeutischen Angaben — von einem Bedürfnis nach Vertiefung gesteuert — in „Betrachtung“ umschlägt; — ein Vorgehen, das dem Nur-Psychiater fremd, ja sogar unverständlich und darum anstößig erscheint. Die „Untersuchung“ wird zur „Betrachtung“, indem sie Teilaspekte, die den Menschen zum Objekt der Wissenschaft, d. h. zum bloßen „Fall“ machen, in einer anthropologischen Ganzheitsschau überschreitet. Krankheit wird in dieser Sicht zur Existenzkrise, Heilung zur Wandlung, der bloße Fall zum irgendwie repräsentativen Menschentum. Von Weizsäcker merkt in einem Geleitwort an, das Werk bestätige aus ärztlicher Erfahrung seine eigene Ansicht, es würde „wenn man tiefer gräbt sich erweisen, daß die drei Gebiete eins seien“, nämlich: Psychotherapie, Philosophie und Religion.
Dies gilt natürlich nur für eine umfassende Seinslehre von Menschen, und in diese mündet die Untersuchung eines schwer asozialen Fürsorgezöglings und die Betrachtung seiner dramatisch verlaufenden „Existenzkrise“ von selber ein. Der Zögling machte im Zug einer psychotherapeutischen Behandlung einen psychoseartigen Zustand durch, in dem er drei Tage hindurch als Christus unter großen Qualen ans Kreuz geschlagen wurde, um aus diesem nur drei Tage dauernden Ausnahmezustand als eine völlig umgewandelte Persönlichkeit hervorzugehen. Die Wandlung hielt an: kein Rückfall, weder in einen psychopathologischen Ausnahmezustand, noch in sein asoziales und sonst fragwürdiges Verhalten konnte in vier Jahren bei dem erfolgreichen Jüngling nach der Krise festgestellt werden. Der ungewöhnliche Fall ist darum unter anderem bemerkenswert, weil er mit