You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die analytische Couch wird heute weitgehend der Analyse gleichgesetzt. Selbst für viele Analytiker ist es eine unumstößliche Tatsache, daß es ohne die Benutzung der Couch keine Analyse gibt. Dieser dogmatische Standpunkt verträgt sich nicht mit der neueren analytischen Theorie und Praxis, die die Couch als ein weiteres, wichtiges Werkzeug betrachtet, das man benützen soll, wenn es dazu beiträgt, die Analyse zu fördern.
Die Couch hat eine Vergangenheit, die auch unsere Einstellung dazu beeinflußt. Freuds Vorgänger und Freud selbst benutzten sie ursprünglich zur Hypnose. Freud behielt sie weiterhin, als er seine Methode der freien Assoziation und andere fundamentale Gesichtspunkte der Psychoanalyse entwickelte. Das Beibehalten der Couch entspricht Freuds grundsätzlich passiver therapeutischer Haltung und seinen Vorstellungen von Übertragung und Gegenübertragung.
Daß Freud in seinen Untersuchungen diese Art des Vorgehens wählte, wird verständlich, wenn man bedenkt, wie sehr er von den Vorstellungen der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts beeinflußt war. Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts verlangte, daß bei jedem Experiment möglichst viele Koordinaten festgelegt und möglichst wenige veränderlich sind. Für Freud war die Couch einer dieser Fixpunkte. Kelman ist der Ansicht, daß Freud die Couch auf Grund seiner wissenschaftlichen Orientierung weiterbenützte und nicht nur, weil es ihm zuviel wurde, von seinen Patienten den ganzen Tag angestarrt zu werden. Kelman stellt dann die Frage, ob wir wohl auch zur Couch gegriffen hätten, wenn wir diese Methode nicht von Freud geerbt hätten. Dazu führt er aus: Seit Jahrhunderten begeben sich Menschen an bestimmte Orte und nehmen bestimmte Körperhaltungen ein, wenn sie sich in sich selbst zu vertiefen versuchen. Mit all diesen Haltungen soll maximale Ruhe, Entspannung und Ausschluß äußerer Ablenkung herbeigeführt werden. Schon rein physiologisch entspricht das Liegen diesem Zustand maximaler Entspannung. Aber auch phylogenetisch und on