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Der Begriff der Krise, der von Kierkegaard ausgehend sowohl im Existentialismus als auch in der dialektischen Theologie philosophische Bedeutung gewonnen hat, wurde durch v. Weizsäcker in eindrucksvoller Weise in die anthropologische Medizin eingeführt. V. v. Weizsäcker sah die biographische Bedeutung einer Krise in der „kritischen Wendung des Geschehens in seinem Ablauf, die als Unterbrechung erscheint, in Wahrheit aber einer Wandlung der Konstellation, und zwar sowohl der psychischen wie der physischen entspricht“1 und versuchte, diese Unterbrechungen als „Wandlungskrisen“ zu beweisen. „Den Schwindel, die Angst, die Schwäche, die motorische Erregung bezeichnet v. Weizsäcker als Existenzkrisen“2. „Diese Phänomene — Angst, Ohnmacht, Katastrophen der Bewegung, Bewegungssturm oder Bewegungslähmung — werden aus der Ich-Bedrohung der Krisen unmittelbar verständlich. Wir haben erkannt, daß das Wesentlichste der Krise nicht nur der Übergang von einer Ordnung zu einer anderen, sondern die Preisgabe der Kontinuität oder Identität des Subjektes ist. Das Subjekt ist es, welches in dem Riß oder Sprung vernichtet wird, wenn die Wandlung nicht erfolgt, nachdem einmal der Zwang, das „Unmögliche“ zu vollziehen, aufgerichtet worden ist“3. Die Wandlung als Wiederherstellung derselben Form in einer neuen Realität — also Rückkehr zum Ausgang im historischen Sinn — führt aus dem narzißtischen Kreis in den „Gestaltkreis“4.
Auch Jaspers sieht die Krise als eine spezifisch biographische Kategorie, als den Augenblick im Gange der Entwicklung, „in dem das Ganze einem Umschlag unterliegt, aus dem der Mensch als ein Verwandelter hervorgeht, sei es mit neuem Ursprung eines Entschlusses, sei es im Verfallensein“5. Ein Stehenbleiben in der Krise gibt es nicht, weil sie zur Entscheidung auffordert. Entscheidet in ihr der Mensch nicht aktiv, dann wird über ihn entschieden. Die Krise selbst ist ja ihrem Wesen nach Unentschiedenheit in