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Je länger psychotherapeutische Arbeit getan wird und je länger wir uns darauf besinnen, was Psychotherapie sei, desto weniger ist uns klar, welches der geschichtliche Auftrag ist, in dessen Dienst sich die Psychotherapie entfaltet hat. Immerhin ist uns heute bereits gewiß geworden, daß die bisherigen Erklärungsversuche darum das Wesen der Psychotherapie nicht zu fassen vermochten, weil alle Selbstdeutungen der tiefenpsychologischen Lehren der Rechtfertigung hypostasierter Konstruktionen dienten, statt bei der schlichten Frage stehenzubleiben, was denn diese beiden Menschen, den Leidenden und Hilfe Suchenden, und den von ihm als ärztlicher Helfer Gewählten, zusammenbrachte und was sie miteinander unternehmen.
Die Psychotherapie mißversteht sich nun vor allem darin, daß sie sich für ein medizinisches Verfahren, eine Art spezieller Technik hält; andererseits ist sie sich viel zu wenig bewußt, daß und warum sie eine ärztliche Kunst im eigentlichen Sinne ist. Unsere Kritik an diesem Mißverständnis versucht den Blick freizulegen auf die wirkliche Bedeutung der Psychotherapie für unsere Zeit und deren ganz besondere Nöte. Daraus wird dann auch der Wandel verstehbar, den sie durchmachte und die Aufgabe, die ihr heute gesetzt ist: nämlich unzulänglich gewordene und Schein-Ordnungen in Frage zu stellen und Ursprünglichkeiten aufzuspüren, die eine wirklich verbindliche neue Ordnung tragen könnten. Wenn es uns gelingen würde, diese Ursprünglichkeiten auch nur anzudeuten, dann würde damit auch das Ziel der Psychotherapie sichtbar.