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Das Buch wendet sich als „ein Lehrbuch der Individualpsychologie“ an einen breiten Leserkreis. Dank einer dreißig-jährigen psychotherapeutischen Erfahrung gelingt es dem Verfasser, die Individualpsychologie in ihren empirischen Grundlagen, als Theorie des neurotischen Menschen und als Praxis seiner Heilung in einer Weise anschaulich darzustellen, daß es ohne Zweifel alle diejenigen mit großem Gewinn lesen werden, die, sei es als Studierende der Seelenheilkunde oder als praktische Ärzte, als Erzieher oder Seelsorger um Erkenntnis und Behebung neurotischer Verstellungen menschlicher Freiheit be-müht sind. Da aber niemand sich von neurotischen Mechanismen freisprechen kann, geht das Buch auch jeden um Selbsterkenntnis und Wesensflndung be-mühten Laien an.
Der Aufbau des Werkes spiegelt den Gang individualpsychologischer Erkenntnis, Diagnostik und Therapie. Es geht aus von der Lehre der Organminderwertigkeiten, gibt in glücklich gewählten Beispielen eine breite Kasuistik ihrer Formen und eine gute Zusammenfassung ihrer Theorie. Es folgt eine ebenso anschauliche Darstellung der in der „strengen Erziehung“, der „verwöhnenden Erziehung“ und der „unglücklichen“ Geschwisterkonstellation liegenden Entstehungsursachen des neurotischen Charakters.
Von besonderer Bedeutung erscheint uns das zweite Kapitel: die Darstellung der Struktur, der Ontologie und der Axiologie der Neurose. Der Leser findet hier zunächst eine Zusammenfassung dessen, was Alfred Adler unter dem nervösen Charakter versteht.
Dann aber gibt der Autor eine Ontologie und Axiologie der Neurose. Die Fruchtbarkeit einer Darstellung ergibt sich vor allem aus der Gegenüberstellung der Grundpositionen der Individualpsychologie zu Nietzsches Begriff vom Willen zur Macht und zur Existentialphilosophie Kierkegaards und Heideggers. „Wer ist es, der verzweifelt darum ringt, ein Selbst zu sein, weil er daran verzweifelt ist, ein Selbst sein zu können? Wer ist es, der kein Selbst ist und alles daransetzt, ein Selbst sein zu könn