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Helene Deutsch beschreibt in ihrem Buche ‚Die Psychologie der Frau‘1 an verschiedenen Stellen die Tendenz der Mädchen, welche die Grenze der Vorzur Frühpubertät erreicht haben, sich eine Freundin zu erwerben, um mit ihr ein ‚Geheimnis‘ zu hegen und zu pflegen. Dieses bezieht sich, sagt die Autorin, auf Ergebnisse der Sexualneugierde und der sexuellen Erwartungsvorstellungen. Und das Geheimnis trägt die Mädchenfreundschaft, die zusammenbricht oder gar in erbitterten Haß umschlägt, sobald die eine Partnerin einem weiteren Mädchen das ‚Geheimnis‘ ausplaudert. Bei den Freundinnen handle es sich in der Regel um gleichaltrige Mädchen.
Bei meinen Schülerinnen, 13- bis 16jährigen, denen ich als Volksschullehrer in einem bernischen Dorfe vorstehe, konnte ich oft beobachten, daß sich der Freundschaftskreis über Gruppen, manchmal über die gesamte Mädchenklasse erstreckte. Es gilt dies besonders für die jüngeren Jahrgänge. Wenn es mir gelang, an Hand meines Wissens um kollektivpsychologische Verhältnisse2 aus der Klasse eine ‚Gemeinschaft‘ herzustellen, also dafür zu sorgen, daß sich weder hetero- noch homosexuelle Paar-Relationen bildeten, dann blieb die Mädchenklasse meist eine Einheit von 12 bis 18 Freundinnen, die während drei aufeinanderfolgenden Jahren nicht mehr gesprengt werden konnte, und in der Eifersüdhiteleien und Streit kaum je einmal vorkamen3. Es gelang mir nicht immer, und dann gab es Grüppchen, die sich ab und zu befehdeten, falls ein Mädchen aus einer Gruppe einem anderen aus einer anderen Gruppe darüber berichtete, was in seiner Gruppe vorgegangen war. Also dann, wenn das ‚Geheimnis‘ verraten wurde.
Ferner konnte ich die Beobachtung machen, daß insbesondere die 15- und 16jährigen stark dazu neigten, sich im Dorf mit einem um 1 bis 2 Jahre älteren Mädchen in Freundschaft zu verbinden. Es scheint mir dies bei Mädchen dieser Altersstufe die Regel zu sein, falls sie nicht Gelegenheit haben, an affektiv aufgebauten Gemeinschaftsorganisationen teilzuhaben. Die jünge