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War Freud ein korrekter Psychoanalytiker? Die Frage ist so absurd nicht wie sie klingt, und es ist nicht einmal so einfach, sie zu beantworten. Freud hat uns die fünf Dinge gesagt, zu denen sich ein rechter Analytiker standhaft bekennen soll:
„Die Annahme unbewußter seelischer Vorgänge, die Anerkennung der Lehre vom Widerstand und der Verdrängung, die Einschätzung der Sexualität und des Ödipuskomplexes sind die Hauptinhalte der Psychoanalyse und die Grundlagen ihrer Theorie. Und wer sie nicht alle gutzuheißen vermag, sollte sich nicht zu den Psychoanalytikern zählen.“2
Diese Grundsätze der Psychoanalyse sind inhaltlich, nicht methodisch bestimmt. Wie der Analytiker handeln soll, hat Freud nicht so eindeutig festgelegt. Wir können in seinem eigenen Verhalten feststellen, daß verschiedene und sogar gegensätzliche psychologische Intentionen darin wirksam werden.
Der zitierte Satz ist offenbar nicht umkehrbar. Nicht jeder, der in der Annahme unbewußter Vorgänge, des Widerstandes, der Verdrängung, der Einschätzung der Sexualität und des Ödipuskomplexes Freud nachgefolgt, kann zu den Psychoanalytikern gezählt werden. Auf der anderen Seite gibt es Psychotherapeuten, die „korrekte Psychoanalysen“ führen, ohne Freuds Theorien in allen genannten Punkten zuzustimmen. Was ist also korrekte Psychoanalyse? Gibt es eine verbindliche lex artis psychoanalytica? Gibt es „technische“ Grundprinzipien des analytischen Verhaltens, wie es Grundsätze der psychoanalytischen Theorie gibt? Haben wir Kriterien, die es erlauben, korrekte Analysen von unkorrekten zu unterscheiden, Kunstfehler festzustellen und zu prüfen, ob ein Psychotherapeut die analytische Methode beherrscht oder nicht?
Grundsätzlich ist eine psychotherapeutische Behandlung richtig, wenn sie die besten Mittel anwendet, um verformte seelische Strukturen im Wachstum zu korrigieren und unentwickelte zur Reifung anzuregen. Um diese objektiv besten Mittel zu finden, müßten wir alle seelischen Strukturen in Entwicklung, Aufbau und Zusa