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Das bereits im ersten Bande (vgl. Psyche II, 2, Seite 296) angeschlagene Thema der Problematik psychiatrischer Forschung soll hier noch ausgiebiger zu Worte kommen, durch Einbeziehung der Psychoanalyse und vor allem der Daseinsanalyse Heideggers und der auf ihr aufbauenden Arbeiten Szilasis. Es handelt sich also um den Entwurf „einer philosophischen Besinnung auf das Wesen der Wissenschaft überhaupt und der Psychiatrie im Speziellen“. (Die grundsätzlich einheitliche Struktur von Psychose und Neurose ist ein wesentliches Moment von Binswangers Auffassung, Ref.) Die Aufsätze dieses Bandes stammen aus den Jahren 1920-1950.
Psychoanalyse und Psychiatrie (). Die Psychoanalyse ist, wie Binswanger sagt, der (bisherigen) Psychiatrie an systematischem Gehalt und Zusammenhang weit überlegen infolge ihres überaus einheitlichen, wenn auch ebenso einseitigen Bildes, das sie vom Menschen entwirft. Der phänomenologischen Forschungsrichtung ist es vorbehalten, beide Disziplinen in den Fluß ihrer wissenschaftliche Arbeit aufzunehmen. Im Gegensatz zur psychiatrisch-klinischen, rein naturwissenschaftlichen Betrachtung sieht die Psychoanalyse die Krankheit nicht als einen fremden Eindringling, sondern als ein in kontinuierlichem Fluß befindliches Stück der ganzen lebendigen Persönlichkeit. Im Vordergrund der Menschenbetrachtung Freuds steht ein nach Normen und Werten urteilendes geistiges Wesen, nicht ein bloß Reize empfangender, die Wirklichkeit bloß abbildender und motorisch auf sie reagierender Automat. Die Ungleichartigkeit hinsichtlich der Beherrschung ihres Erlebnisschatzes durch das auffassende Bewußtsein ist das zweite wesentliche Moment, das dritte und zentralste das Verhältnis zwischen beiden genannten. Im Begriff der Verdrängung treffen alle zusammen. Binswanger erblickt in der Besitzergreifung der Persönlichkeit durch das begriffliche Denken den Hauptimpuls, den die Wissenschaft vom Menschen als Individuum durch Freud erhalten hat. Neben der quantitativen Betrachtung des Men