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M. Krudewig untersucht die vielfältig verstreuten Schriften von E. R. Jaensch, vor allem jene Arbeiten, die sich mit dem von ihm so benannten „eidetischen Phänomen“ beschäftigen. Die Fähigkeit, sich nach kürzerer oder längerer Zeit von einem gesehenen Gegenstand ein Bild zur Anschauung bringen zu können, wurde
1907 von Victor Urbanowitsch beschrieben und von E. R. Jaensch experimentell nachgeprüft. „Eidetiker“ finden sich vor allem unter Kindern und Jugendlichen, ferner bei Personen mit gesteigerter Schilddrüsenfunktion und auch bei gesunden Erwachsenen. Bekannte Eidetiker waren Goethe, Otto Ludwig, Ludwig Tieck. E. T. A. Hoffmann, V. v. Scheffel, Purkinje, Joh. Müller — sie alle haben das Phänomen beschrieben; aber erst E. R. Jaensch untersuchte das Problem mit den Methoden der experimentellen Psychologie und mit statistischen Erhebungen. Trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen über das Thema der Nachbilder, Anschauungsbilder, eidetischen Bilder — Krudewig gibt in ihrem 425 Titel umfassenden Literaturverzeichnis von E. R. Jaensch allein 94 verschiedene Arbeiten an — lag bis zu der Arbeit Krudewigs keine zusammenfassende Darstellung vor. Jaensch hat im Verlauf seiner Arbeiten die Auffassung über die Entstehung, die Art und die Bedeutung der Anschauungsbilder mehrfach revidiert. Krudewig stellt diese verschiedenen Auffassungen zusammen und belegt die Darstellung ihrer eigenen Theorie teils experimentell, teils mit der Heranziehung weiterer Autoren. So gelingt es ihr, die Eidetik für die allgemeine Psychologie auszuwerten.
Im Zusammenhang mit seinem Thema hat E. R. Jaensch zahlreiche Untersuchungen angestellt über die Ontogenese der Wahrnehmungen und Vorstellungen, über die Konstanz der Sehdinggröße, -tiefe und -farbe. Krudewig bringt die Wahrnehmungslehre auf den heutigen Stand der Forschung und untersucht zugleich den Zusammenhang der Wahrnehmung mit dem Bewußtsein. Verschiedene Fähigkeiten des Farbsehens, der phylogenetische und ontogenetische Grad der Farbtüc