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Traditionsgemäß wird das menschliche und tierische Verhalten in zwei Kategorien aufgeteilt, in Verhaltensformen, die dem Überleben des Individuums, und in solche, die der Erhaltung der Rasse durch Fortpflanzung dienen. Freud hatte ursprünglich diese Klassifikation übernommen und sie zur Grundlage seiner Instinkttheorie gemacht. Er entdeckte aber bald, daß vieles an dem Verhalten des jungen Kindes oder Tieres direkt weder dem Überleben noch der Fortpflanzung dient. Er nannte diese Verhaltensformen „prägenitale erotische Betätigungen“, wie Daumenlutschen, anale Manipulationen, lustvolle Erregung der Haut, ungezielte Übung des Muskelsystems, Neugierde um ihrer selbst willen, was alles eine spielerische, auf Lust ausgerichtete Bedeutung hat, und unterstellte sie der weitergefaßten Kategorie der sexuellen Phänomene. Er differenzierte diese nicht auf die Fortpflanzung ausgerichteten Betätigungen, die subjektiv eine unverkennbar sexuelle Tönung haben, als unausgereifte, prägenitale Formen desselben instinktiven Triebes, der in seiner reifen genitalen Form zur Zeugung führt. Auch die griechische Mythologie erkannte intuitiv die Verwandtschaft zwischen spielerischer Betätigung und Sexus, indem sie Eros, den Gott der Liebe wie des Spieles, als Kind darstellte.
Trotz der weitgehenden Aufmerksamkeit, die die Psychoanalyse, sowohl in genauen Darstellungen wie in theoretischen Überlegungen, diesen nicht auf die Fortpflanzung gerichteten sexuellen Manifestationen gewidmet hat, haben die psychologischen Autoren unseres rationalistischen 20. Jahrhunderts, einschließlich der Tierpsyochologen, diese zweckfreien Aspekte des menschlichen und tierischen Verhaltens auffällig vernachlässigt. Im Gegensatz dazu hatten die Philosophen des 19. Jahrhunderts sehr viel über das Spiel zu sagen. Hervorragende Beiträge zu diesem Thema stammen von Friedrich Schiller, Herbert Spencer, Jean Paul, Wilhelm Preyer und besonders von Karl Groos.
Schiller entwickelt in seinen Briefen über die ästhetische Erzie