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Immer wieder macht der Psychoanalytiker in unserem Lande bei Diskussionen mit den Vertretern anderer psychologischer Schulen die Erfahrung, daß – bei der zeitgeschichtlich bedingt gewesenen Isolierung Deutschlands von der psychoanalytischen Forschung in der Welt bis zu einem gewissen Grad, aber nicht durchaus verständlich – von der Weiterentwicklung der psychoanalytischen Wissenschaft keine Kenntnis genommen worden ist und gegen Positionen diskutiert wird, die einem in der Psychoanalyse selbst überholten Forschungsstand, etwa dem der Jahre 1920 oder gar 1910, entsprechen. Es ist daher wohl angebracht, auf einige Entwicklungsrichtungen der neueren psychoanalytischen Forschung einmal einfach referierend hinzuweisen. Diese Darstellung beabsichtigt nicht, eigene Forschungsresultate vorzutragen – der Referent identifiziert sich aber, wie die Formulierungen zeigen, mit den vorgetragenen Anschauungen – und erstrebt keine Vollständigkeit. Ein systematisches Sammelreferat der seit unserer Isolierung von der ausländischen psychoanalytischen Forschung ab etwa 1935 geleisteten Arbeit auf dem Gebiet der Ich-Psychologie müßte den Umfang eines Vortrages um ein Vielfaches übersteigen. Eine gewisse Subjektivität hinsichtlich der Auswahl der besprochenen Problemkreise möge man mir konzedieren.
Die Gefahr, sich mißzuverstehen, beginnt schon bei dem Begriffe des „Ich“. Es sei einleitend kurz in Erinnerung gebracht, was Freud und seine Schule unter „Ich“ verstehen. Das Ich im Sinne der Psychoanalyse meint ausdrücklich nicht, was in der Philosophie wie in vielen Schulen der nicht-psychoanalytischen Psychologie darunter verstanden wird, es meint nicht „Persönlichkeit“ oder „Subjekt“. Es ist nicht „ein Ausdruck für den Traäger des Selbstbewußtseins der leiblich-seelisch-geistigen Ganzheit des Menschen“ oder „der Inbegriff aller Eigenschaften, Verhaltensweisen und psychischen Akte, die ein Individuum sich zurechnet“. Ebensowenig hat es zu tun mit dem Ich der philosophischen Anthropologie, je