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In der Psychonanalyse wie auf anderen Gebieten ist es schon häufig vorgekommen, daß Begriffe, die zunächst für mehr oder minder beiläufige Beobachtungen benutzt worden waren, später für viel allgemeinere Phänomene als ursprünglich beabsichtigt Verwendung fanden. In diesen. Fällen behalten die Begriffe für eine Weile den Stempel der spezifischen Situation bei, für die sie ursprünglich gemeint waren; aber sie lösen sich allmählich von dem eigentlichen Anlaß ab, der zu ihrer Formulierung geführt hatte. Sie werden mehr oder weniger in das Gesamtgebiet von Erfahrung und Denken eingeordnet, was dann oft eine erneute Definition erfordert. Dies im einzelnen aufzuzeigen, wäre für die Geschichte der Psychoanalyse sicher eine lohnende Aufgabe. Es sei hier nur an Trends Begriff der Abwehr in den neunziger Jahren erinnert, verglichen mit einer späteren Phase seines Werkes, als der Begriff der Abwehr im strukturellen Sinne angewendet wurde und als ein Teil der allgemeinen Psychologie erkannt worden war, der für die Entwicklung des normalen wie des später kranken Individuums gleich wichtig war. Oder denken wir daran, wie die Begriffsbildung der Aggression sich gewandelt hat, bis Aggression schließlich als einer der Grundtriebe erkannt und definiert wurde. Als drittes Beispiel möchte ich auf den Narzißmus hinweisen. Auch hier können wir mehrfach Neuformulierungen feststellen; die Tatsache, daß Freud den Begriff des „Narzißmus“ nicht durchgehend dem Niveau seiner späteren Einsichten und Theorien angepaßt hat, führte in diesem Fall zu einer Reihe von Unklarheiten und Widersprüchen im psychoanalytischen Denken und Schrifttum.
Der Begriff der Sublimierung zeigt eine ziemlich ähnliche Entwicklung. In der ursprünglichen Anwendung Freuds bezog sich „Sublimierung“ auf gewisse kulturelle oder anderweitig hochbewertete Leistungen, die sich aus triebhaftem – das bedeutete damals „sexuellen“ – Quellen herleiteten. Diese Phänomene wurden auch als Möglichkeiten, Konflikte zu vermeiden und Abfuhr