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Die Übertragung ist unser bestes therapeutisches Werkzeug. Von Anfang an stellte sie Freud daher in das Zentrum des analytischen Interesses. Für die Gegenübertragung gilt dies nicht in derselben Weise. Zwar lenkte Freud schon sehr früh die Aufmerksamkeit auch auf dieses Phänomen. Es wurde jedoch bis vor etwa eineinhalb Jahrzehnten (Fenichel, 1938) als eine unwillkommene Störung im analytischen Prozeß empfunden. Bis zur Prager Erörterung des Themas durch Fenichel und Reich (1951) findet man nur weniges darüber in der analytischen Literatur. Wie dies so oft bei unwillkommenen Dingen der Fall ist, wurde dem Thema die Besetzung entzogen, ja man könnte beinahe sagen, daß bis zur Bearbeitung dieses Phánomens durch Fenichel und Reich die Erscheinung der Gegenübertragung der Verdrängung anheimfiel. Wir werden uns im Folgenden mit beiden Phänomenen befassen, und zwar vorwiegend mit ihren genetischen Grundlagen. Die weiteren Ausführungen werden zeigen, daß die Ursprünge von Übertragung und Gegenübertragung in chronologisch nahe zueinander liegenden Entwicklungsphasen zu finden sind.
Die vielfältigen Aspekte des Übertragungsphänomens wurden in der psychoanalytischen Literatur in zahlreichen Publikationen behandelt. Um die Theorie ihrer Ursprünge zu beleuchten, können wir uns daher auf verhältnismäßig wenige dieser Faktoren beschränken. Im Rahmen dieser Arbeit wollen wir vor allem drei Autoren heranziehen, nämlich Ida Macalpine (1950), Daniel Lagache (1952, 1953, 1954) und Phyllis Greenacre (1954).
Lagache beginnt seine Untersuchung mit einer erkenntnistheoretischen Betrachtung über den Begriff der Übertragung. In einer klaren Herleitung steller folgende Zweiteilung des Begriffes auf: einmal unterscheidet er zwischen den eigentlichen Übertragungsmanifestationen und der Übertragungsneurose; zweitens unterscheidet er zwischen, wie er es nennt, „dynamischen“ und „mechanischen“ (oder „spontanen“) Ursachen für die Entwicklung der Übertragung. Diese