You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
“Keiner der Leser wird sich so leicht in die Gefühlslage des Autors versetzen können, der die heilige Schrift nicht versteht, der väterlichen Religion — wie jeder anderen — völlig entfremdet ist, an nationalistischen Ideen nicht teilnehmen kann und doch die Zugehörigkeit zu seinem Volk nie verleugnet hat, seine Eigenart als jüdisch empfindet und sie nicht anders wünscht. Fragte man ihn: Was ist an dir noch jüdisch, wenn du alle diese Gemeinsamkeiten mit deinen Volksgenossen aufgegeben hast?, so würde er antworten: Noch sehr viel, wahrscheinlich die Hauptsache. Aber dieses Wesentliche könnte er gegenwärtig nicht in klare Worte fassen. Es wird sicherlich später einmal wissenschaftlicher Einsicht zugänglich sein“.
Wien, im Dezember 1930.
Sigmund Freud, Vorrede zur hebräischen Ausgabe von „Totem und Tabu“, Ges. Schrift., Bd. 12, Wien, 1934.