You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die anfängliche Libidotheorie war von Freud als Hypothese gedacht. Sie sollte zur Klärung bestimmter Probleme der Neurosenentstehung beitragen. Mit der zunehmenden Entwicklung psychologischer Beobachtungen mußte auch sie verbreitert und modifiziert werden. Eine gute Übersicht über die Entwicklung von Freuds Triebtheorie gab 1936 Edward Bibring1. Die erregendste, bemerkenswerteste und gleichzeitig umstrittenste Modifikation kennen wir als die Theorie von den ‚Lebens- und Todestrieben“. Sie wird zum erstenmal 1920 in ‚Jenseits des Lustprinzips“ dargestellt. Einige Psychoanalytiker waren von der neuen Theorie sehr beeindruckt und begrüßten sie begeistert, andere lehnten sie von Anfang an mehr oder weniger ab. Eine dritte Gruppe stand ihr skeptisch gegenüber; sie nahm weder an noch lehnte sie ab. Die Art, wie die neue Hypothese aufgenommen wurde, scheint zu beweisen, daß sie nicht objektiv als wissenschaftlicher Beitrag begrüßt wurde, der durch weitere Untersuchungen erprobt werden sollte, sondern daß man sie oft wie einen störenden und verwirrenden Ballast empfand, mit dem das menschliche Gefühlsleben belegt wurde. Heute, 35 Jahre nach Freuds ersten Äußerungen über eine Theorie der Lebens- und Todestriebe, scheint sich an dieser Einstellung nichts Wesentliches geändert zu haben. Affektive Reaktionen Außenstehender gegenüber der einen oder anderen Theorie Freuds sind dem Psychoanalytiker durchaus geläufig und verständlich. Eine gleiche Einstellung bei Analytikern selbst verlangt hingegen nach einer ernsthaften Überprüfung des Phänomens. Bedeutet dies, daß die Theorie selbst keine brauchbare Hypothese ist, oder sind hier andere Faktoren im Spiel, welche unabhängig vom Wert der Theorie für so widersprüchliche Reaktionen verantwortlich sind?
Zuerst möchte ich einige Anmerkungen zur Einstellung der Psychoanalytiker gegenüber der Theorie vom Todestrieb machen. In einem Beitrag, der im Mai 1953 in der ‚Psyche“ veröffentlicht wurde, versucht R. Brun zu beweisen, daß diese Theor