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Über die Not des Schulkindes ist schon viel geschrieben worden: kommen Bücher über dieses Thema aus dem psychiatrischen Raum, so erschöpfen sie sich meist in mehr oder minder unklaren diagnostischen Abgrenzungen der Begriffe Nervosität — Nervenschwäche — Psychopathie — Charakterabwegigkeit u. a. m. In einer bemerkenswerten Skotomisierung hat dabei das schulmedi-zinische Denken die Beziehung zum lebendigen Partner des schulversagenden Kindes, nämlich dem Lehrer, vernachlässigt. Verf., der sich schon in seinem ersten Buch als unerschrockener Verteidiger des unverstandenen, seelisch vernachlässigten Kindes zeigte, tritt dieses Mal mit der gleichen leidenschaftlichen Anteilnahme für das schulversagende Kind ein. Nicht von ungefähr erscheint dieses Buch im deutschen Raum, in dem solche Kinder oft als erste Opfer eines hektisch voranjagenden wirtschaftlichen Erfolges der Familie angesehen werden müssen.
Kapitelüberschriften, wie: „Ist für die Schule untragbar“, Ist ein verdorbener Junge“, „Wird es zu nichts bringen“, „Ist sittlich verroht“, „Wenn er nur wollte“, zeigen die starke Affektbe-setzung, welche zwangsläufig eine Beurteilung dieser Kinder durch den Lehrer trüben muß. Wer je in einer Erziehungs-beratung gearbeitet hat, wird die mit Sorgfalt vom Verf. zusammengetragenen Erhebungen auf diesem Gebiet nur bestätigen können. Verf. weist auf die große Verantwortung des Lehrers in der heutigen Zeit hin, in der in weit grö-ßerem Ausmaß als früher seelisch ge-fährdete Kinder heranwachsen. Es handelt sich dabei oft um intellektuell über-durchschnittlich begabte, sensitive Kinder, die lediglich infolge einer neurotischen Sperrung nicht in der Lage sind, ihre Intelligenz sinngemäß zu entfalten. Erst durch eine langfristige Herausnahme der Kinder aus der Schulatmo-sphäre bei sorgsam geleiteter Spieltherapie konnte in manchen Fällen eine Selbstverwirklichung dieser Kinder erreicht werden.
Daß sich in einer Klasse von 50-60 Kindern der Lehrer im allgemeinen nur mit einem System ge