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Verfasser hatte in 32jähriger Tätigkeit als Kinderpsychiater Gelegenheit, ca. 30 000 Fälle stationär und ambulant zu beraten und zu behandeln, sowie großenteils auch katamnestisch zu erfassen. In
einer Monographie, die den anspruchsvollen Untertitel „Aufbau und Zerfall der Persönlichkeit“ trägt, berichtet Verfasser über die Ergebnisse seiner Erfahrungen.
Mit einer eigenen psychologischen Nomenklatur, die um die Begriffe der Kortisierung (höchstentwickelte Rindenfunktionssysteme, in Form von Zellmustern die Großhirnsubstanz durchsetzend), Dekortisierung (vererbbarer Zustand des Abbaues, aber auch der mangelnden Ausbildung dieser Systeme), des Reothyms (cerebrale Repräsentanz des Körperschemas, des Ichs) und zahlreicher weiterer Begriffsbildungen errichtet ist, gelingt es dem Verfasser, sowohl die großen psychiatrischen Krankheitsbilder der Epilepsie und Schizophrenie wie auch die verschiedenen Formen der Neurose (Neurose = striopallidäre Dekortisierung), den Schwachsinn, die Psychopathie und die innersekretorischen Störungen in einem Schema unterzubringen, wobei ihm jeder Übergang der einen Krankheitsform in die andere möglich erscheint.
So faszinierend zunächst die Tatsache erscheint, daß von einer Hand ein derart großes Krankenmaterial katamnestisch gesichtet wurde, so bedauerlich empfindet man die Monotonie, mit der die verschiedenartigsten Krankheitsbilder und Verhaltensstörungen diesem Schema unterworfen werden. Auch die Betonung eines funktionalen Denkens täuscht nicht darüber hinweg, daß im Grunde nur alte Vorstellungen einer Hirnlokalisation in eine etwas modernere Fassung gebracht wurden.
Wiederholt kommen die starken Affekte, die Verfasser gegen die Psychoanalyse hegt, zum Ausdruck. Sie tragen in ihrer unsachlichen Form nicht zur Klärung des Neurosenproblems bei. Daß immer wieder als neurotisch angesprochene und psychotherapeutisch behandelte Krankheitsbilder sich später als organisch bedingte Erkrankungen herausstellen (Seite 124 ff.), ist kein Novum. Jede