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Der Verfasser greift die offizielle Medizin scharf und leidenschaftlich an. Sein Vorwurf gipfelt in der Behauptung, sie sei inhuman. Kranksein ist für Müller-Eckhard eine urtümliche Möglichkeit des Menschen, die nur im Zusammenhang
mit seiner Bestimmung, mit seinem Heil verstanden werden kann. Wir leben in einer Welt, die den Wert des Einzelnen und seiner Bestimmung nicht kennt, die mehr nach seiner Verwendbarkeit, als nach seinem Wesen fragt. In diesem Prozeß der allgemeinen Funktionalisierung wird Angepaßtheit selbst zu einem Ideal. Krankheit erscheint dann lediglich als Defekt, während Krankheit für Müller-Eckhard den Charakter eines Seelenasyls hat, wobei der Körper stellvertretend die Konflikte der Seele übernimmt und damit seine Fähigkeit, Konflikte zu materialisieren, beweist.
Die dargestellte Auffassung vom Wesen der Krankheit steht derjenigen der heutigen Medizin diametral gegenüber. Diese kennt die Krankheit als Seinsmöglichkeit des Menschen nicht. Ihr Bestreben ist daher, sie möglichst schnell zu eliminieren. Müller-Eckard sieht darin (für den Menschen) eine Gefahr, antlitz-und schicksalslos zu werden. Der Verfasser betont in seinem Krankheitsbegriff das biographische Element und verknüpft dabei den Begriff „Krankheit“ mit dem der persönlichen Verstrickung und Schuld. Er geht von einer personalen, supra-naturalen Auffassung der Krankheit aus und übersieht dabei das Gewicht des naturalen Bereiches, ohne den eine umfassende Lehre von der Krankheit nicht denkbar ist.
Die Auffassung vom „repräsentativen Charakter“ der Krankheit und vom „Seelenasyl“ wird von ihm verabsolutiert. Denn wer könnte den repräsentativen Charakter in einer Erbkrankheit, um nur etwas anzuführen, erkennen. Die Betonung des Personalen bewirkt, daß der eigentliche Bereich, in dem Krankheit sich vollzieht, nämlich die Leiblichkeit, nicht gesehen wird. Gerade am Phänomen des Leibes hätte man Somatisches und Psychisches als die beiden Seiten des Einen darstellen können. Wie Scheler es einmal