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Vom Dezember 1954 bis März 1955 haben drei Psychoanalytiker aus Zürich, Frau L. Parin-Matthey, Dr. Paul Parin und Dr. Fritz Morgenthaler, die Durchquerung der Sahara von Algier aus über die Hoggarroute unternommen. Die Reise führte weiter über Nord-Nigeria, Hoch-Volta, die Goldküste und von da durch die Elfenbeinküste, Französisch Guinea und den Senegal nach Dakar. Die Fahrt erfolgte mit einem expeditionsmäßig ausgerüsteten Jeep über eine Strecke von 14 000 km. Es bestand die Absicht, fremde Erlebnisweisen zu studieren und weitere Reisen vorzubereiten. Neben Notizen entstanden auf der Reise 120 Farbzeichnungen und über 1000 Photographien.
Seit Frazer1, seine Zeitgenossen und Nachfolger eine psychologisch brauchbare Ethnologie geschaffen haben, hat die abendländische Psychologie mit viel Erfolg versucht, an primitiven Völkerschaften gleichsam überlebende Frühstadien der seelischen Struktur des Menschen zu studieren. Die genialen Entdeckungen von Winthuis2 über den sexuellen Doppelsinn der Sprache von Primitiven ermöglichten es, zusammen mit der deutenden und erklärenden Psychologie von Freud, das Seelenleben jener mit dem der Neurotiker zu vergleichen und dabei festzustellen, daß das Denken der Wilden denselben Gesetzen gehorchte, die für das unbewußte Denken und Fühlen des Kulturmenschen gefunden worden waren. Das animistisch-magische Weltbild der primitiven Völkerschaften entsprach dem Unbewußten gesunder Zivilisierter, das vor allem aus der Traumanalyse erschlossen werden konnte, es hatte viel Gemeinsames mit den Krankheitssymptomen der Neurotiker, bei denen das bewußte, logisch-kausale Denken durch Einbrüche des Unbewußten vielfach gestört schien, und es erwies sich schließlich als jene phylogenetische Erscheinung, die jedes Kind als ontogenetische Entwicklungsstufe seines Seelenlebens durchlaufen muß. Diese Auffassung von der „archaischen“ Wesensart der Primitiven führte zu einer reichen wissenschaftlichen Ausbeute: Nach Freud3 unternahmen es W. Reich, Malinowski