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Der Begriff der Entwicklung — unser Thema — spielt heute auch sonst in der Wissenschaft: der Biologie, der Geschichte, der Soziologie, eine bedeutende Rolle. Die schwierigen Probleme, die er bietet, sind auch dort von einer endgültigen und allgemein anerkannten Lösung weit entfernt. Nirgends aber wird von dieser Problematik unser praktisches Handeln so unmittelbar betroffen wie in der Tiefenpsychologie. Darüber einige grundsätzliche Bemerkungen:
Im Begriff der Entwicklung liegt es, daß etwas bleibt und etwas sich ändert. Daß sich z. B. bei der Entwicklung der reifen Sexualität des Erwachsenen aus den kindlichen Triebregungen, einer Grundfrage der Psychoanalyse, etwas ändert, das sieht jeder. Was ist aber geblieben? Das kann doch nur etwas sein, das potentiell oder keimhaft bereits in der kindlichen Regung gesteckt hat; der Keim brauchte sich also nur zu entfalten, kraft der in ihm bereits auf das Endstadium hin angelegten Fähigkeit, auf bestimmte äußere Einwirkungen in bestimmter Weise zu antworten. — Aber gerade eine solche Möglichkeit wird von hervorragenden Kennern bestritten, und damit würde auch ein wichtiges Teilgebiet psychotherapeutischer Bemühungen, soweit sie sich nämlich auf die Feststellung genetischer Zusammenhänge stützen, in Frage gestellt. Die Triebregungen der Erwachsenen, so sagen die Kritiker, fallen in einen ganz anderen zeitlichen Zusammenhang als die des Kindes, sie haben sozusagen einen andern Stellenwert2, es sind inzwischen neue Haltungen gegenüber der Umwelt aufgetreten, neue Erfahrungen und Erlebensmöglichkeiten, das gesamte Wertreich und vieles andere. Die kindlichen Homologen der reifen Sexualität aber hätten infolge dieser Eingliederung in veränderte Strukturen je nach der Lebensphase auch ganz veränderte Bedeutung erlangt. In der neuen Gesamtstruktur sei der betreffende Trieb etwas ganz anderes als in der früheren, man dürfe ihn nicht als Teilkomponente isolieren und ihn dann aus einer ebenfalls isolierten Komponente der früheren Gesamt