You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Für das Werk Fritz Künkels ist es kennzeichnend, daß es niemals eine Künkel-Orthodoxie gegeben hat, noch geben kann, etwa in dem Sinne, wie man von der Orthodoxie mancher anderer psychotherapeutischer Richtungen gesprochen hat. Denn seine Persönlichkeit wie seine Lehre war lebendige Offenheit nach der ganzen, nie abschließbaren Wirklichkeit des Menschen hin. Darum konnte Künkel auch die Funde der verschiedenen Schulen gelten lassen und mitverarbeiten, während er selbst unbeirrbar seine eigenen und ganz andersartigen Gesichtspunkte herausarbeitete.
Das große Hauptthema des Künkelschen Werkes sind die menschlichen Beziehungen. Freilich in einem ganz bestimmten Sinne, der sich aus den folgenden Ausführungen erhellen wird. Ursprünglich von Sigmund Freud und seiner Psychoanalyse ausgehend, schloß sich Künkel später der Individualpsychologie Alfred Adlers an. Noch vor 1930 bildete sich seine eigene Konzeption heraus, die schließlich von der Individualpsychologischen Gesellschaft mit dem Ausschluß beantwortet wurde. Aber heute noch wird es selbst von Fachleuten vielfach übersehen, wie verschieden Künkels methodischer Ansatz von dem der Individualpsychologie ist. Wie die Methode Freuds muß man ja auch die Adlers noch als eine naturwissenschaftliche bezeichnen, stellt sie doch eine Art Naturwissenschaft der Gesellschaft dar. Auch der Blick C. G. Jungs ist auf die naturhaften Entwicklungen des Seelischen gerichtet. Fritz Künkel ist in der Psychotherapie der erste, der den Menschen und seine seelische Erkrankung prinzipiell aus dem Raume der möglichen seelischen Freiheit versteht. Damit rückt seine Methodik aus der naturwissenschaftlichen oder soziologischen in eine andere Dimension, ebenso auch die Auffassung der Neurose und der Therapie selbst.
Während noch bei Schultz-Hencke (der übrigens sonst von Künkel stark beeinflußt ist) praktisch der Mensch als Antriebswesen verstanden wird, dessen gehemmte Antriebe die seelischen Erkrankungen herv