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Wir freuen uns, im folgenden einen kasuistischen Beitrag zu der wichtigen Frage „Strafhaft oder psychother apeutische Behandlung“ bringen zu können, der das Interesse anthropologisch interessierter Juristen und Kriminologen wie tiefenpsychologisch arbeitender Fachkollegen gleichermaßen angeht. Dabei erscheint uns von besonderer Bedeutung, daß hier nicht ein Paradefall psychoanalytischer Schulobservanz, sondern ein schlichter, durch besondere Umstände bedingter Betreuungsfall tiefenpsychologisch getönter praktischer Lebenshilfe zur Darstellung kommt, in welchem ein rückfälliger „Sexualverbrecher“ nach 61 Behand-lungsstunden symptomfrei und sozial funktionstüchtig wurde. Ein ermutigender Versuch mit einem ermutigenden Ergebnis, von dem wir wünschen, daß es Schule machen möge!
Die bedrohliche Jugendkriminalität unserer Zeit und die gegenwärtigen Bestrebungen einer Strafrechtsreform verpflichten im Grunde jeden, der Gelegenheit hatte, sich mit Straffälligen zu befassen, die gesammelten Erfahrungen niederzulegen und mitzuteilen. Von besonderer Wichtigkeit erscheint es uns, an Einzelfällen nachzuweisen, wie durch psychoanalytische Methoden Ursachen krimineller Handlungen aufgedeckt werden können und inwieweit es möglich ist, im Verlaufe psychotherapeutischer Behandlung Fehlentwicklungen zu korrigieren. Es wird deshalb im folgenden der Versuch unternommen, eine solche Behandlung an einem Einzelfall darzustellen. Der Jugendliche, um den es sich handelt, war durch bestimmte Sexualdelikte auffällig geworden, deren analytische Erhellung typisch wie individuell interessante Momente ergab.
In den Jahren 1948 und 1949 wurde die Bevölkerung einer süddeutschen Großstadt in längeren und kürzeren Zeitabschnitten in erhebliche Unruhe und Erregung versetzt. Es kam damals immer wieder vor, daß auf der Plattform der Straßenbahn oder im Gedränge bei Volksbelustigungen jüngeren Frauen und Mädchen die Kleider in der Gesäßgegend mit einer