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Die tiefenpsychologisch orientierte Begegnung mit Geisteskranken stellt die Psychiatrie vor neue Aufgaben grundsätzlicher Natur. Die überlieferte Art der Begegnung mit und der Behandlung von Psychotikern kennt zwei wesentliche Aufgaben: Diejenige, die Gesellschaft vor den Geisteskranken zu schützen, und diejenige, den Patienten wieder in die Gesellschaft einzugliedern (II). — Nun wird heute, angeregt von den Erkenntnissen und Erfahrungen der Psychoanalyse, eine neue, intensive Art der ärztlichen Begegnung mit den psychotisch Kranken gefordert; ihre Voraussetzungen sind ganz andere als die der üblichen klinischen Psychiatrie (III). Die psychoanalytisch orientierte Psychosentherapie geht aber auch entscheidend über die psychoanalytische ‚Technik‘ hinaus; sie gibt nämlich deren Zurückhaltung preis und läßt sich auf das „Agieren“ mit den Kranken ein (IV). Die Einführung dieser Art der mitmenschlichen Teilnahme in die Therapie führt zu neuen Einsichten und Heilungswegen, die nicht nur dazu zwingen, das Heilungsziel neu zu formulieren, sondern die auch neue grundsätzliche Fragen der ärztlichen Begegnung überhaupt aufwerfen (V). Schließlich stellt sich heraus, daß das hier dargestellte Problem nicht nur für das ärztliche Handeln aktuell ist; es erweist sich vielmehr als ein Aspekt eines viel allgemeineren Themas aller heutigen Wissenschaften vom Menschen. Überall zeigt sich das Streben, die Objektivität — im Falle der Medizin die naturwissenschaftlich-physikalisch orientierte — zu überwinden zugunsten einer besser gegründeten Art der wissenschaftlichen und praktischen Zuwendung, bei der unmittelbare mitmenschliche Teilnahme und Teilhabe Träger und Mittler der Erfahrung ist (VI).