You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Über die grundlegende Bedeutung der Abhängigkeit und ihrer Verlaufsformen in der Schizophrenie besteht weitgehende Einigkeit2. Für den Schizophrenen ist wohl nichts schwerer zu ertragen als sein intensives Abhängigkeitsbedürfnis. Er kann sich nicht gestatten, es anzuerkennen; hat er es einmal anerkannt, wagt er es keinem Menschen gegenüber auszudrücken; drückt er es aber aus, so geschieht das in einer Weise, die beim andern oft Verständnislosigkeit oder aktive Abweisung auslöst. Dem Therapeuten aber, der einen Schizophrenen behandelt, bringt nichts in höherem Maß ängstliches Bedenken, Enttäuschung, Entmutigung als diese eben geschilderten Vorgänge bei seinem Patienten. Der vorliegende Beitrag möchte sie in einigermaßen umfassender Weise darstellen.
Die Abhängigkeit, mit der wir uns hier befassen, ist am ehesten vergleichbar mit dem Verhalten des normalen Säuglings oder Kleinkindes. Das Abhängigkeitsbedürfnis des Schizophrenen kann folgendermaßen definiert werden: er sehnt sich nach einem Menschen, der die ganze Verantwortung für die Erfüllung seiner leiblichen und seelischen Bedürfnisse übernimmt, ohne etwas von ihm zu fordern.
Von den physischen Bedürfnissen des Schizophrenen treten die um die orale Zone gelagerten am meisten hervor; dies entspricht der großen Bedeutung des Stillens im Leben des Säuglings. Auch die Sehnsucht nach zärtlichen Berührungen und Liebkosungen, die die ersten Jahre der normalen Entwicklung charakterisiert, ist für den Schizophrenen besonders wichtig. Der Wunsch nach der Entlastung von sexuellen Spannungen zeigt sich auf demselben Niveau einer frühkindlichen Abhängigkeit, obschon er in der Lebensgeschichte viel später auftritt. Er drückt sich auf die gleiche kleinkindliche Art aus, wie der orale Hunger: „Du solltest dich für mich darum kümmern.“