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Wir sind gewohnt, die Wahnwelt unserer schizophrenen Kranken mit ihrer inneren Lebensgeschichte und ihrer Einstellung zu den nächsten Angehörigen in Beziehung zu bringen. Diese Betrachtungsweise bringt uns in Kontakt mit den Angehörigen und ihren Nöten und führt uns früher oder später dazu, in Umkehrung unserer ursprünglichen Problemstellung die Bedeutung der Psychose für die Familienmitglieder zu entdecken. Wir sehen die Psychose nicht mehr ausschließlich als Katastrophe innerhalb eines Einzelschicksals, sondern wir erleben sie auch als Kristallisationszentrum einer Familienproblematik.
Nun gibt uns freilich die Einstellung der Angehörigen zu unseren Kranken oft Rätsel auf. Wir erwarten Erschütterung oder Trauer und begegnen statt dessen eigentümlich unkorrigierbaren, starren aetiologischen Erklärungen. Da wird ein Spätparanoid auf einen frühkindlichen Schädelunfall, eine Hebephrenie auf Schulschwierigkeiten und ein katatoner Stupor auf Arbeitsscheu zurückgeführt. Mit der Zeit glauben wir in vielen dieser Erklärungen die gemeinsame Tendenz zu erkennen, das den Familienstolz beleidigende Übel zu verkleinern oder die Anlage dazu wenigstens, zur Entlastung der eigenen Sippe, dem andern Elternteil zuzuschieben. — Aber wir beachten vielleicht zu wenig, daß die Einstellung zur Psychose eines nahen Angehörigen zum Intimsten gehört, was ein Mensch besitzt und daß wir deshalb den Zugang dazu nicht ohne weiteres erhalten werden.
Eine Nachuntersuchung von acht Familien schizophrener Anstalts-Patientinnen, deren Kindheit sich nach der Routineuntersuchung in geordneten Verhältnissen abgespielt zu haben schien, brachte uns in viel engeren Kontakt mit den Angehörigen, als dies üblicherweise möglich ist. Im Verlauf der zeitlich nicht beschränkten Gespräche, die meist im Heim der Angehörigen stattfanden, erhielten wir in sieben von den acht Fällen Einblick in außerordentlich konfliktreiche und für das Kind belastende familiäre Verhältnisse1. Aber nicht nur das vergangene, sondern auc