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Die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie und ihre Anwendungen veranstaltete vom 15. bis 20. Juli 1956 in den Räumen der Universität Zürich eine Studienwoche für praktische Kinderpsychologie unter dem Thema „Theoretische und praktische Fragen der Kinderpsychotherapie“. Die Tagung war eine erfreuliche Begegnung von Vertretern der theoretischen Entwicklungspsychologie und Psychodiagnostik und in Praxis und Forschung tätigen Kinderpsychotherapeuten.
Am ersten Tag gab die Mitarbeiterin von Anna Freud, Liselotte Frankl (Hamstead Child Therapy Course and Clinic), ein grundlegendes Referat über die Bedeutung des klinischen Interviews für die Diagnosestellung in der Kinderpsychiatrie. Das derzeitige Forschungs-anliegen der Hamstead Clinic ist die methodische Untersuchung des Weges der Induktion des Kindes durch die unbewußte Problematik der Mutter. Aus der quantitativen und qualitativen Abklärung dieser sublimen Beziehung zwischen Mutter und Kind, speziell an der Symptomatik des Kindes orientiert, glaubt Frankl von psychologischer Seite eine differentialdiagnostische Möglichkeit zur Beantwortung der Frage, ob angeborene oder erworbene Störung, zu finden.
Den fruchtbaren Versuch einer Auseinandersetzung zwischen einer der bedeutsamsten Schulen der Entwicklungspsychologie, derjenigen von Piaget, und der aus der psychoanalytischen Erfahrung resultierenden Sicht der kindlichen psychischen Entwicklung, wie sie vor allem Anna Freud und Melanie Klein erarbeitet haben, brachte James Anthony, University of London („Piaget und die Kinderpsychiatrie“). Da Bärbel Inhelder, die langjährige Mitarbeiterin Piagets, einen Aufriß der Entwicklungspsychologie, bereichert durch ihre eigenen Untersuchungen, zur affektiven und kognitiven Entwicklung des Kindes gab, waren beide Forschungsaspekte im Gespräch vertreten. Wie bei ähnlichen Auseinander-setzungen an anderen Orten waren auch hier eine weitgehende Übereinstimmung der beobachteten Fakten und eigentlich auch nur verhältnismäßig geringe