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In Heft 4/X, Seite 763-784, dieser Zeitschrift hat Wolfgang Hochheimer unter dem Titel „Aufklärung und Gegenaufklärung in der Sexualanthropologie“ die Ausführungen über Kinsey in meiner „Soziologie der Sexualität“ (Hamburg 1955) einer Kritik unterworfen, die den Standpunkt Kinseys verteidigt und an Hand dieses Themas die Grundpositionen meiner „Soziologie der Sexualität“ negieren zu müssen glaubt. Ich bin Herrn Kollegen Hochheimer für seine recht radikale Kritik insofern dankbar, als sie mich zwingt, die Stichhaltigkeit meiner Argumentation noch einmal zu überprüfen und zu überlegen, wie weit die gedrängte Darstellungsweise meiner kleinen Schrift an den Mißverständnissen schuld ist, auf denen seine Kritik zum guten Teil beruht. Befriedigt bin ich über die Tatsache, daß meine kritischen Äußerungen genau da eine Reaktion hervorgerufen haben, wo ich ein wissenschaftliches Gespräch für den Fortschritt meiner Disziplin für am wichtigsten erachte: zwischen bestimmten, weitgehend in soziologische Intentionen übergegangenen Denkrichtungen der Psychologie oder der behavioristisch-biologischen Verhaltensforschung und einer sich ihrer eigenständig soziologischen Problemstellungen versichernden Gesellschaftswissenschaft. Allerdings bin ich zugleich der Ansicht, daß zu einer fruchtbaren und gegenseitig wissenschaftliche Klärung vermittelnden Diskussion gewisse Vorbedingungen erfüllt und eingehalten werden müssen, deren Beachtung ich doch in der Kritik Hochheimers zum Teil vermisse. Zu diesen Vorbedingungen zähle ich:
I. daß man sich wirklich über die gleiche Sache unterhält und nicht durch Ignorie-rung der eigentlichen Aussageebene und -begrerizungen einer Veröffentlichung und durch stillschweigende Verschiebung der Problemstellungen sich erst den Raum zu ihrer Kritik schafft;
II. daß man auf bestimmte Formen der Argumentation verzichtet, die den wissenschaftlichen Gegensatz in jenseits der Sache liegende Affekte und ihr assoziativ-pseudologisches Denken transponieren.
Ich glaube,