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„Es ist etwas Großartiges, daß mein Leben in seiner kurzen Spanne drei so ungeheuer verschiedene Epochen sah wie die kaiserlich-bürgerliche bis 1914, die geistig-bewegte bis 1933 und die nationalsozialistische bis heute (geschrieben ).“ — Der Wissenschaftler, der in solcher Ergriffenheit in hohem Alter vor dem Reichtum seines sicher oft leidvollen Lebens steht, hat uns im vorliegenden Werk die Geschichte seiner geistigen Entwicklung und seiner Arbeit mitgeteilt. Tief beeindruckt steht der Leser vor einem Lebenswerk, in dem, gestützt auf genaues Fachwissen, versucht wird, Naturwissenschaft und Philosophie, Innere Medizin und Psychotherapie in einer Synthese zu vereinigen. Vor dieser Fülle können wir nur versuchen, in kurzen Worten einige Ausgangssituationen und Resultate nachzuzeichnen, die sich als besonders wichtig für v. Weizsäckers Lebensarbeit erwiesen haben.
Schon der Medizinstudent interessierte sich lebhaft für Philosophie, arbeitete unter Windelband und erwarb sich eine solide philosophische Bildung. Am Neu-Kantianismus und Neu-Hegelianismus erlebte v. Weizsäcker, daß Philosophie und Naturwissenschaften trotz aller Überbrückungsversuche nicht in einer wirklichen geistigen Einheit verbunden werden konnten. Seinem Lehrer, dem Physiologen Johannes von Kries, verdankte er nicht nur eine gründliche physiologische Ausbildung, sondern auch das ihn immerfort begleitende Bewußtsein, daß Philosophie ohne Naturwissenschaft nicht bestehen könne. „Was mich … als unveräußerliches Erbe seines physiologischen Unterrichtes und seiner Forschergestalt mein Leben lang gerade in der philosophischen Entwicklung begleitet hat, das ist eben dies, daß die Philosophie nicht freischwe-bend über oder neben der Naturfor-schung in die Lüfte bauen kann. Es ist die Bindung an die sinnliche Erfahrung und die experimentelle Bewährung und so die, ich möchte im Blick auf Kries