You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Körper und Seele seien Deutungen der Wissenschaft im Sinne von Arbeitshypothesen, mit dem Ziel, Krankheiten zu interpretieren. Die hieraus sich ergebenden Probleme des Dualismus im wissenschaftlichen Denken werden vom Verfasser diskutiert. Die Erforschung beider, der Beobachtung zugänglichen Bereiche führte zur Aufstellung mechanistischer Denkmodelle, „die den Menschen einmal als körperlichen und dann als seelischen Apparat definieren“. Die Kritik an der Interpretation des Organs als Apparat knüpft Verfasser an die völlige Wesensverschiedenheit in Hinsicht auf die Sinn- und Zielsetzung.
Die psychosomatische Medizin hat zur Erfassung seelischer und körperlicher Vorgänge als Arbeitshypothesen zwei Konzepte entwickelt: das der Konversion und das der Organneurose. Der Anwendung des Konversionsmodelles mit seinen Störungen der Ausdrucks-funktionen und der Hierarchie von Zielsetzungen sind im Verständnis des Krankheitsgeschehens Grenzen gesetzt.
Mit dem Konzept der Organneurose wird der Bereich des Emotionalen in den Mittelpunkt des Interesses gestellt. Das emotionale Erleben der Welt ist von vegetativen Abläufen im Körperlichen begleitet, und die Pathologie der „Bereitstellungszustände“ zeigt im Gegensatz zur Konversionssymptomatik weniger individuelle, sondern bei allen Menschen mehr oder weniger gleichförmige, monotonere Symptombilder. Die Empirie zeige, daß eine Reihe innerer Erkrankungen auf solche „Bereitstellungsstörungen“ zurückzuführen sei und daß das jeweilige emotionelle Erleben der Welt zu einem Mißlingen der Einordnung biologischer Ziele in die Zielsetzung des rationalen und sozialen Bereichs führen könne.
In welchem Ausmaß die Konzeption der Organneurose als Störung der „Bereitstellungsfunktionen“ Bedeutung habe, könne nur die weitere Erfahrung in kritischer Zusammenarbeit von Innerer Medizin und Psychiatrie erweisen.