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Die Psychiatrie hat, wie andere wissenschaftliche Disziplinen, im Lauf der Zeit verschiedene Metamorphosen in Gestalt von Phasen oder Etappen durchgemacht. Man kann nach dem Mathematiker Max Bense auch für die Psychiatrie ein Schema aufstellen.
Zeit der Grundlegung.
Zeit der Weiterentwicklung.
Zeit der Krise.
Zeit der Vertiefung.
Jede Phase weist bestimmte charakteristische Forschernamen auf, jede Zeit auch gewisse charakteristische Forschungsergebnisse; z. T. werden letztere später als falsch oder halbrichtig, z. T. als Grundlagen für bis dahin nicht erkannte Möglichkeiten von wirklichkeitsgerechten Problemlösungen erkannt. Hier auf historische Daten einzugehen, ist nicht Aufgabe unserer Ausführungen. Die Erwähnung des Phasenschemas geschah, um Sigmund Freud historisch einzuordnen. Seine für den Stand der Psychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert revolutionären Funde, ferner die von ihm inaugurierte Prägung einer neuen entwicklungsträchtigen und erfolgreichen Psychotherapie nebst deren theoretischen Konsequenzen stellen Freud in die dritte Phase (Krise). Er ist aktiv an ihrer Auslösung mitbeteiligt. Dann gestaltet er die vierte Phase (Vertiefung) an erster Stelle mit.
Im Hinblick auf Parallelerscheinungen in anderen Disziplinen, z. B. der Physik und der Chemie, sei daran erinnert, daß alle eine „Wahrheitskrise“ durchmachen. Zwei Fragen in der Epoche des Skeptizismus und der neuen technischen Mittel der Forschung stellen sich: 1. Was ist wahr im strengen Sinne des Wortes? 2. Was hat das alles mit dem Phänomen Mensch (Leib-Seele-Geist) zu tun?