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Wenn auch die wissenschaftliche Erforschung des Unbewußten und der psychischen Dynamik neu ist, so hat die dynamische Psychotherapie doch eine lange Reihe von Vorfahren und Vorläufern. Bestimmte medizinische oder philosophische Lehren der Vergangenheit und manche älteren Heilmethoden enthalten eine erstaunliche Anzahl dynamischer Einsichten.
Lange Zeit erweckten Berichte über Behandlungen, die bei primitiven Völkern durch Medizinmänner, Schamanen, oder wie man sonst die Heiler nannte, ausgeführt wurden, wenig Interesse bei den Psychiatern. Das gleiche gilt von Berichten über Heilung durch Austreibung, Tempelschlaf und manche anderen Methoden. Die Mediziner sahen diese Berichte als seltsame Märchen an, die höchstens für Historiker oder Ethnologen von Interesse sein könnten.
Heute sind wir zu einer anderen, positiveren Einschätzung dieser Tatsachen gekommen. Die fortschreitende Entwicklung der dynamischen Psychiatrie hat die Aufmerksamkeit auf die Mechanismen der psychotherapeutischen Behandlung gelenkt und gezeigt, über wie viele Punkte noch Unklarheit herrscht. Warum sprechen manche Patienten gut auf die Behandlung an und andere nicht? Wir wissen es oft nicht, und deshalb ist alles, was Licht auf dieses Probleme wirft, willkommen.
Inzwischen hat uns die historische und ethnologische Forschung mit einigen wertvollen Dokumenten ausgestattet, deren Studium, vom dynamisch-psychologischen Standpunkt gesehen, noch nicht weit vorgeschritten ist. Vergleichende Psychotherapie ist ein junges, jedoch vielversprechendes Forschungsgebiet. Aus diesem großen Gebiet wollen wir drei Themen auswählen und kurz erörtern: Psychotherapie bei amerikanischen Indianern; Heilmethoden in Asklepiostempeln des alten Griechenland; Besessenheit und Austreibung.
Psychotherapie war den amerikanischen Indianern keineswegs unbekannt, wenn wir auch wenig darüber wissen. Wie sehr von Stamm zu Stamm die Überzeugungen, Riten und Heilmethoden voneinander abwichen, so