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Ein Vergleich der sowjetischen Haltung gegenüber der Psychoanalyse mit „westlichen“ Ansichten kann auf die Psychologie im allgemeinen ausgedehnt werden, denn alles, was zu dieser Frage über die sowjetische Denkweise gesagt werden kann, bezieht sich zugleich auf das ganze Gebiet der Psychologie. Mit der selbstverständlichen Ausnahme jener wenigen westlichen Psychologen, die die Pawlowschen Begriffe übernommen haben, ist alles, was der Westen auf diesem Gebiet beiträgt, in der Sowjetunion offiziell verpönt. Die westliche Psychologie wurde nicht weniger emphatisch abgelehnt als die „bourgeoise Genetik“. Aber während der Zauber des Namens Lysenko gebrochen scheint, herrscht auf dem Gebiete der Psychologie nach wie vor die Orthodoxie der Pawlowschen Richtung. Zwar ist der Stil der Argumentation, der um 1950 den Ton des „kalten Krieges“ anschlug, seither etwas gemäßigter geworden, aber dem Sinne nach sind die Positionen noch die gleichen.
Dennoch ist das Bild nicht ganz vollständig. Es gibt gewisse kritische Unterströmungen, die sich hier und da selbst auf den offiziellen Tonfall auswirken. Unzweifelhaft ist die sowjetische Psychologie nach wie vor mechanistisch und jedem Vitalismus feind, aber in der Praxis ist man gezwungen gewesen, den westlichen Forschungsergebnissen kleine Konzessionen zu machen, obwohl die Gegnerschaft gegen alles, was nach „Idealismus“ riecht, immer von neuem betont wird.
Besonders für die Psychoanalyse hat dies schon immer gegolten. Die jüngste authentische Darstellung der Parteilinie befindet sich im „Handwörterbuch der Philosophie“, 4. Ausgabe , in dem es wörtlich heißt:
„Freudismus: Eine reaktionäre, idealistische Richtung, die in der bourgeoisen wissenschaftlichen Psychologie weit verbreitet ist; ihren Namen hat sie nach dem Wiener Psychologen Sigmund Freud. Der Freudismus nimmt an, daß das Bewußtsein einem Unbewußten untergeordnet ist, dessen Inhalt in der „Libido“, d. h. dem Sexualtrieb besteht. Das Gewissen entsteht aus