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Martyrium und Askese, die der 27jährige Franz S. lange Zeiten seines qualvollen Lebens durchzustehen hatte, zeigten zwar wenig Ähnlichkeit mit religiösen Kämpfen: dem Verfolgtsein von andersgläubigen Gegnern, quälenden Schuldgefühlen gegen Gott, Glaubensskrupeln und Dämonen. Trotzdem waren die Qualen, die, in der Hauptsache seelisch verursacht, seinen Leib befielen, nicht von geringerer Wucht. Ein weiteres Charakteristikum des Märtyrers und Asketen schien zu fehlen: die Freiwilligkeit des Ertragens der Leiden. Aber sie besteht bekanntlich bei den religiös verfolgten Märtyrern auch nur teilweise und ist bei den Asketen, bei denen wir ihr eher begegnen, doch nicht so häufig und ausgeprägt, wie wir anzunehmen geneigt sind, da bei ihnen oft ein erheblicher innerer, ein unbewußter Zwang besteht.
Am Tage bevor Franz sich bei mir zur seelischen Behandlung seiner Leiden meldete, schlug seine Verzweiflung so hohe Wellen, daß er daran war, sein Hochschulstudium der Architektur für immer aufzugeben und zu seiner Mutter zurückzukehren oder „Schluß zu machen“.
Er erschien mit einem stark nässenden Ekzem am Gesicht und am Skrotum und berichtete, daß er häufig Anfälle bekomme, während welcher er sich wütend kratzen müsse. Diese Anfälle des stärkeren Juckens und Kratzens würden sich meist abends beim Ausziehen vor dem Zu-Bette-Gehen einstellen, oder auch beim Ausziehen auf der Toilette. Ich hörte ferner, daß er bereits mit neun Monaten ein Ekzem hatte, daß er zeitlebens immer wieder beim Hautarzt war, in Spitälern lag. Das Kranksein wurde stets akuter, wenn er vor einer schwierigen Aufgabe oder Entscheidung stand, auch wenn er eine Enttäuschung erfuhr. Jetzt stehe er in einer sehr schlimmen Phase, da er sein Studium bald abschließen müsse, Examina bestehen und sich dann im Beruf bewähren solle. Auch habe ihn ein geliebtes Mädchen verlassen. Er gesteht, daß er den Mädchen gegenüber stets sehr gehemmt sei, in der Konversation, aber auch im Erotischen, daß er bis heute