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„Ohne Gegensätze gibt es keinen Fortschritt“
Wenn man nach einer Aussageform sucht, in welcher zugleich die Erfahrungen des psychoanalytisch geschulten Lehrers und die des analytischen Psychotherapeuten ausgedrückt sind, so stößt man auf Blakes Illustrationen zum Buch Hiob der Bibel. Vor nunmehr zehn Jahren war es der Verfasserin zum erstenmal aufgefallen, daß diese Serie von Kupferstichen wohl die gleichen menschlichen Probleme behandelte, die sie bei ihrem fünfjährigen Studium der Systeme der Schulerziehung zu erkennen versuchte. Die Verfasserin war zu der Auffassung gekommen, daß der Schulerziehung etwas fehlte, etwas, das mit schöpferischer Seelentätigkeit zusammenhing, und daß eben dies auch das Thema der Illustrationen Blakes sei. Blakes Hiob-Illustrationen schildern das, was in jedem Menschen vorgeht, wenn er sich innerlich steril fühlt und nicht mehr an seine schöpferischen Fähigkeiten glaubt, wenn er nicht mehr an seine Kraft glaubt, lieben und arbeiten zu können; und sie schildern auch den Kampf, den jeder Mensch in größerem oder geringerem Maße bestehen muß, ob er es weiß oder nicht, wenn er nämlich Lieben-Können und Arbeiten-Können lernen muß.
Auch Freud beschäftigte sich mit diesem Kampf; er ist sogar das Zentralthema seiner Forschung, und eine seiner wesentlichsten Taten war, ein neues Instrument zum Studium dieses Kampfes zu entdecken. Seine Entdeckung bestand darin, daß man eine Situation schaffen müsse, in welcher der Mensch, ohne Rücksicht auf den Zuhörer, alles sagen kann, was ihm durch den Kopf geht, ohne bedenken zu müssen, ob es höflich sei oder einen Sinn habe; es ergibt sich dann, daß seine Aussagen einen eigenen Sinn bekommen, einen verborgenen Sinn, von dem der Mensch vorher nichts ahnte.
Wie die durch dieses Instrument ans Licht gehobenen Tatsachen über das menschliche Wachstum für die Erziehung nutzbar gemacht werden können, ist ein großes Problem. Es ist daher nicht möglich, in diesem