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Wie immer man auch sonst die psychotherapeutische Situation kennzeichnen mag, gültig bleibt jedenfalls, daß hier zwei, mindestens zwei, Menschen um die Lösung eines Problems bemüht sind. Was zu einer solchen Lösung erforderlich und dienlich ist, müssen sie — man kann wohl sagen: zur Gänze — aus ihrem eigenen Erleben schöpfen. In diesem Punkt unterscheidet sich das Tun des Psychotherapeuten grundsätzlich von dem jedes anderen ärztlichen Spezialisten, der in entscheidendem Maße auf nicht ad hoc erlebte Zuständlichkeiten, auf ein technisches Wissen und auf sachliche Hilfsmittel, auf Pharmaka z. B., zurückgreifen kann. Das Problem des Patienten freilich gleicht dem anderer im landläufigen Sinn als krank bezeichneter Menschen insofern, als auch er von mehr oder minder genau umschriebenen Beschwerden zu berichten weiß. In seiner Sicht liegt es daher nahe, vom Arzt den Einsatz versachlichter, d. h. von der Person abgelöster Kenntnisse, eben des Bestandes einer angewandten Wissenschaft, zu erwarten. Wüßte er, daß er sich in erster Linie an ein mitmenschliches Du wendet und erst in zweiter an einen „Fachmann“, dann fiele ihm wohl der Entschluß zum Eintritt in ein psychotherapeutisches Verhältnis sehr viel schwerer.
Dem sei sogleich hinzugefügt, daß auch der Arzt das Hineingestelltsein in eine Situation des unabsehbaren Paarerlebnisses, in der sein eigenes Menschentum nur wenig im Schutze eines Sachwissens steht, als höchst belastend empfinden mag. Tatsächlich erwiese sich die psychotherapeutische Tätigkeit wohl als durchaus unvollziehbar, wenn in ihr auf die Dauer und im Wiederholungsrhythmus des Achtstundentages stets aufs neue der Anspruch auf das freie Aus- und Mitschwingen des eigenen Menschentums erhoben würde. Der Arzt bedarf somit seinerseits auch eines Erwartungsschatzes, der ihn die mutmaßliche Entwicklung des „Falles“ vorwegnehmen läßt. Damit ist aber sogleich gesagt, daß er sich in der Regel an einem begrifflich konstruierten Modell seines Gegenübers orientieren wi