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Jede psychoanalytische Untersuchung eines berühmten und verehrten Schriftstellers muß großen Widerstand erzeugen. Dr. Phyllis Greenacre ist sich dieser Tatsache bewußt und hat es mit großem Geschick und Takt verstanden, die beiden psychoanalytischen Untersuchungen an Swift und Caroll in einer Weise durchzuführen, die keinen unnötigen Widerstand erregt.
Den beiden Autoren ist der eine Zug gemeinsam, eine klassische Ausdrucksform für frühkindliche sadistische Phantasien gefunden zu haben. Beide bedienen sich dabei, obgleich sie in völlig verschiedenen historischen Perioden lebten, desselben Symbols: der phantastischen Veränderung des Körperbildes in Form und Größe. (Swift lebte in der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, Caroll um die Mitte des 19. Jahrh.)
Jonathan Swift war ein vaterloses Kind, und seine Phantasien kreisen großenteils um die ewige Suche nach einem Vater. Dafür hatte er aber zwei sehr unvollkommene Mütter: die eine verließ ihn, die andere erzog ihn ohne Aufsicht und Kontrolle. Es war ihm im späteren Leben unmöglich, normale liebevolle oder sexuelle Beziehungen zu Frauen einzugehen. Charles Dodgson, der unter dem Namen Lewis Caroll seine bekannten Grotesken für Kinder schrieb (am bekanntesten wurde Alice in Wonderland), war der älteste Sohn einer Familie mit elf Kindern. Greenacre weist in einer Analyse seines merkwürdigen Lebenslaufes und seiner Buchinhalte überzeugend nach, daß er mit Hilfe einer intensiven Mutteridentifizierung zu frühoralen Entwicklungsstufen regredierte. Auch ihm gelang eine normale Beziehung zum anderen Geschlecht niemals. Der analytische Vergleich beider Männer zeigt, daß das Symbol des veränderten Körperbildes sich auf eine kannibalistisch-regressive Fixierung in einer frühkindlichen Ambivalenzhaltung zurückführen läßt. Die Analyse des humoristischen Unsinns, des nonsense (wie er in einer Reihe englischer Bücher, die keineswegs nur für Erwachsene geschrieben sind, eine Rolle spielt) als neue künstlerische Ausdrucksform ist Greenacr