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Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß zwischen 30 und 50 Prozent aller Kranken, die die Sprechstunde eines praktischen Arztes aufsuchen, an neurotischen und funktionellen Störungen leiden. Es ist ebenso unbestritten, daß die Mehrzahl der Praktiker auf Grund ihrer fast rein somatisch orientierten Ausbildung nicht in der Lage ist, dieser Krankengruppe eine adäquate Behandlung zukommen zu lassen. Diese Situation hat Balint veranlaßt, an der Londoner Tavistock Klinik in den letzten fünf Jahren wöchentliche Seminare abzuhalten, in denen er versucht, in freier Diskussion mit einer Ärztegruppe von 13-15 Teilnehmern an Hand vorgetragener Fallgeschichten Wege auszuarbeiten, die für die weitere Behandlung der betreffenden Patienten nützlich erscheinen. Im Sinne der ungarischen psychoanalytischen Schule verfahrend, kommt es im Gruppengespräch darauf an, durch Transparentmachen von Übertragung und Gegenübertragung den behandelnden Arzt dafür einsichtig werden zu lassen, welche emotionalen Quellen den Symptomen seines Patienten zugrunde liegen und—was entscheidend ist—durch welche zunächst unbewußten Einstellungen und Haltungen er selbst dem Patienten entweder den Weg in die fixierte Krankheit ebnet oder ihm hilft, zu einer neuen, gesunden Ordnung seiner seelischen Bedürfnisse und Kräfte zu finden.
Ergebnisse und Folgerungen derartiger Studien legt Balint jetzt in dem genannten Werk vor. Es ist eine sehr lohnende Ernte, die alle praktischen Ärzte, aber auch alle Analytiker interessieren wird. Balints Forschungen haben klar ergeben, daß es möglich ist, mit der angewandten Methode praktische Ärzte in einer ihren Bedürfnissen angemessenen Weise zu nützlicher psychotherapeutischer Tätigkeit zu befähigen, wobei freilich beachtet werden muß, daß hier ein ungemein erfahrener Meister der Analyse die Ärztegruppe mit der ihm eigenen vorsichtigen, aber um so zielsichereren Hand führte. Im Referat deutlich machen, wie das praktisch geschieht, hieße einige der in prägnanter und überzeugend