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Der Begriff des Psychopathen wird in diesem Werk auf Persönlichkeiten mit einem ausgesprochenen Überich-Defekt begrenzt. Im ersten Kapitel wird dieser Defekt beschrieben. Der Psychopath ist demgemäß unfähig zur Verinnerlichung von Werten, die sein Verhalten disziplinieren und verantwortlich machen. Er ist in der Regel asozial, impulsiv, unreflektiert hedonistisch und oft ungemein aggressiv. Auf Grund seines verkümmerten Überich ist er Schuldgefühlen und Gewissenskonflikten kaum zugänglich. Seine Liebesfähigkeit ist unentwickelt, und seine Intelligenz, falls vorhanden, offenbart sich daher in einer Art kalter, opportunistischer Anpassungsstrategie. Dieses psychopathische Syndrom wird an der Lebensgeschichte mehrerer berüchtigter krimineller Psychopathen Amerikas veranschaulicht. Im folgenden Kapitel werden diagnostische Probleme behandelt. Der typische Psychopath wird dabei gegen den agierenden Neurotiker (the acting out neurotic) abgegrenzt, der die Symptome des Psychopathen aufweisen kann, ohne dessen Persönlichkeitsstruktur zu besitzen. Im Gegensatz zum Psychopathen ist im agierenden Neurotiker ein wirksames Überich angelegt, das in seinen Inhalten allerdings oft, wie etwa in der sogenannten Bandenmoral bestimmter Verbrecher, von dem konventionellen Wertsystem abweicht. In diesen Fällen ist beispielsweise eine stark destruktive Aggressivität Ausdruck einer neurotischen Konfliktsituation. Sie kann z. B. auf einem gegen die Gesellschaft gerichteten Vaterprotest beruhen oder, wie besonders in psychotischen Grenzfällen, als Abwehr gegen zu bedrohlich erlebte Abhängigkeitswünsche dienen. Ähnlich können die anderen Symptome des psychopathischen Syndroms auf eine Neurose zurückgehen. Nur eine genaue Erhellung der jeweiligen Persönlichkeitsdynamik ermöglicht die Diagnose. Es leuchtet ein, daß innerhalb des hier verwendeten diagnostischen Bezugsrahmens die von der deutschen akademischen Psychiatrie, insbesondere von Eugen Kahn und Kurt Schneider entwickelte Typologie der P